Schwesig und Günther gedenken der Grenzöffnung in Boizenburg
Schwesig und Günther erinnern in Boizenburg an die Grenzöffnung 1989 und thematisieren Zwangsaussiedlungen in der DDR.

Schwesig und Günther gedenken der Grenzöffnung in Boizenburg
Am 9. November 2025 fand in Boizenburg eine bewegende Gedenkfeier statt, anlässlich des 36-jährigen Jahrestags der Öffnung der innerdeutschen Grenze. Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, und Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, zogen in ihren Reden Parallelen zwischen der historischen Öffnung und den fortwährenden Herausforderungen für Freiheit und Demokratie. Die Veranstaltung war zudem ein Teil der Feierlichkeiten zum 35-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Boizenburg und Lauenburg, die 1990 ins Leben gerufen wurde. Laut sat1regional.de kamen die Ministerpräsidenten zu einem traditionellen Treffen zusammen, um an einem Symbolort der ehemaligen innerdeutschen Grenze zu gedenken.
Besonders im Fokus stand der Mut der Menschen in der DDR, die 1989 für grundlegende Rechte wie Meinungs- und Pressefreiheit kämpften. „Der 9. November ist nicht nur ein Datum, sondern der Beginn eines Prozesses, der zur Deutschen Einheit führte“, so Schwesig. Beide Politiker erinnerten sich an ihre Jugendjahre während des Mauerfalls – Schwesig war 15, Günther 16 Jahre alt. Die emotionalen Bilder des Mauerfalls, die den Mut der Menschen in der DDR widerspiegelten, haben sich fest in ihren Erinnerungen verankert.
Zwangsaussiedlungen als dunkles Kapitel
Ein zentraler Bestandteil der Erinnerungskultur war das Thema der Zwangsaussiedlungen in der DDR. Jacqueline Bernhardt, die Justizministerin von Mecklenburg-Vorpommern, sprach über die bis heute nachwirkenden Wunden dieser Geschehnisse. Die Zwangsaussiedlungen, die in zwei großen Wellen 1952 und 1961 stattfanden, betrafen zahlreiche Bürger, die als politisch unzuverlässig galten. Schätzungen zufolge wurden zwischen 11.000 und 12.000 Menschen umgesiedelt, oft unter dramatischen Umständen, ähnlich wie bei der „Aktion Ungeziefer“ und „Aktion Festigung“, die sich in einem Ausmaß und einer Brutalität vollzogen, die viele Menschenleben und Schicksale zerstörten. Diese Thematik wird in einem Wikipediartikel intensiv beleuchtet.
Ab dem 1. Juli haben die Opfer dieser erzwungenen Umsiedlungen die Möglichkeit, Entschädigungen beantragen. Bislang wurden aus Mecklenburg-Vorpommern etwa 240 Anträge eingereicht, von denen rund die Hälfte genehmigt wurde. Eine einmalige Ausgleichszahlung in Höhe von 7.500 Euro steht den Betroffenen zu, während für die SED-Opferrente, die monatlich 400 Euro beträgt, im laufenden Jahr bereits etwa 230 Anträge eingegangen sind.
Ein Blick zurück, aber auch nach vorn
Landtagspräsidentin Birgit Hesse richtete den Blick auf die Vergangenheit, indem sie an die Novemberpogrome von 1938 erinnerte, die eine grausame Entrechtung der jüdischen Bevölkerung zur Folge hatten. Diese Erinnerungen sollen uns stets an die Bedeutung von Menschenrechten und gesellschaftlicher Toleranz erinnern. Sat1regional.de hebt hervor, wie wichtig es ist, dass wir aus der Geschichte lernen, um künftige Fehler zu vermeiden.
In einer Zeit, in der die Auseinandersetzung mit der Geschichte und deren Lehren für die Gesellschaft unerlässlich ist, bleibt die Diskussion über Freiheit und Menschenrechte aktueller denn je. Die Erlebnisse der Vergangenheit wirken bis in die heutige Gesellschaft hinein und fordern uns auf, für ein gemeinsames, friedliches Miteinander einzutreten.