Am 07. März 2026 findet in Frankfurt (Oder) ein bedeutendes Ereignis statt: Der bundesweite Tag der Archive, organisiert vom Bundesarchiv – Stasi-Unterlagen-Archiv. Unter dem Motto „Alte Heimat – Neue Heimat“ werden Bürgerinnen und Bürger eingeladen, die vielschichtige Geschichte der Staatssicherheit (Stasi) und ihrer Auswirkungen auf die Gesellschaft zu erkunden. Das Archiv beherbergt über 6.000 laufende Meter Unterlagen der ehemaligen Bezirksverwaltungen Frankfurt und Cottbus des Ministeriums für Staatssicherheit. Führungen durch das Archiv beginnen um 09:30 Uhr und um 11:30 Uhr und bieten spannende Einblicke in die Überwachung von Heimatvertriebenen im Bezirk, die bis 1989 unter Stasi-Beobachtung standen.
Zusätzlich besteht von 9:00 Uhr bis 13:00 Uhr die Möglichkeit, Anträge auf Einsicht in Stasi-Unterlagen zu stellen. Dies betrifft nicht nur Informationen über verstorbene oder vermisste Angehörige, sondern auch die Entschlüsselung von Decknamen. Wer sich für eine Antragstellung interessiert, sollte ein gültiges Personaldokument mitbringen.
Tag der Archive in Leipzig
Parallel dazu findet im Bundesarchiv – Stasi-Unterlagen-Archiv Leipzig ebenfalls am 7. März 2026 eine Veranstaltung statt, die von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet ist. Hier erwartet die Besucher ein abwechslungsreiches Programm, darunter Archivführungen um 11:00 Uhr und 16:30 Uhr sowie die Vorführung des Dokumentarfilms „WILLY – Verrat am Kanzler“ um 14:00 Uhr. Der Film thematisiert die Agentenkarriere von Günther Guillaume und den Rücktritt von Willy Brandt 1974 aus der besonderen Perspektive von Frauen.
Darüber hinaus werden zusätzliche Angebote wie Beispielakten, eine Archivpräsentation über die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und die Umweltbewegung im Bezirk Leipzig sowie eine Ausstellung mit dem Titel „Voll der Osten. Leben in der DDR“ geboten. Der Eintritt zu diesen Veranstaltungen ist frei, und auch hier können sich Interessierte zur Antragstellung auf Einsicht in die Stasi-Unterlagen beraten lassen.
Die Rolle der Stasi und ihre Nachgeschichte
Die Staatssicherheit, besser bekannt als Stasi, war ein zentrales Instrument der Repression in der SED-Diktatur. Gegründet 1950 nach sowjetischem Vorbild, überwachte sie nicht nur die eigene Bevölkerung, sondern betrieb auch Auslandsspionage. Die Stasi sammelte umfangreiche Informationen über als unliebsam eingestufte Personen und war aktiv in der Verfolgung von Oppositionellen und Andersdenkenden. Nach dem Fall der Berliner Mauer besetzten Bürgerinnen und Bürger lokale Stasi-Dienststellen, um die Vernichtung von Akten zu verhindern, was zur Schaffung einer umfassenden Dokumentation über die Vergehen des Regimes führte.
Der Zugang zu den Stasi-Akten wurde am 3. Oktober 1990 geregelt, und Joachim Gauck wurde der erste Bundesbeauftragte für die Unterlagen der Staatssicherheit. Seitdem hat die Nachfrage nach Einsicht in diese wichtigen Dokumente nie nachgelassen. Rund 51 Kilometer Schriftgut stammen aus Stasi-Archiven, während über 90 Prozent der Unterlagen erschlossen und zugänglich sind. Diese Akten sind entscheidend für die Aufarbeitung der SED-Diktatur und bieten wertvolle Einblicke in die Geschichte der DDR.
Für weitere Informationen zur Stasi und der Aufarbeitung der Akten können Interessierte die Webseite des Stasi-Unterlagenarchivs besuchen, das seit 2021 Teil des Bundesarchivs ist. Nutzen Sie die Gelegenheit, am Tag der Archive mehr über diese bedeutsamen Aspekte der deutschen Geschichte zu erfahren und sich mit den Herausforderungen der Erinnerungskultur auseinanderzusetzen. Weitere Details zu den Veranstaltungen finden Sie auf den Seiten des Bundesarchivs in Frankfurt (Oder) und Leipzig: Frankfurt (Oder) und Leipzig.