Handwerksbetriebe in Brandenburg: Wer übernimmt die Zukunft?

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Handwerksbetriebe in der Uckermark stehen vor Nachfolgeproblemen. Unterstützung durch Kammern und neue Online-Portale bietet Lösungen.

Handwerksbetriebe in der Uckermark stehen vor Nachfolgeproblemen. Unterstützung durch Kammern und neue Online-Portale bietet Lösungen.
Handwerksbetriebe in der Uckermark stehen vor Nachfolgeproblemen. Unterstützung durch Kammern und neue Online-Portale bietet Lösungen.

Handwerksbetriebe in Brandenburg: Wer übernimmt die Zukunft?

In Ostbrandenburg stehen zahlreiche Handwerksbetriebe derzeit vor einer kniffligen Herausforderung: der Unternehmensnachfolge. Laut Martin Römer, Pressesprecher der Handwerkskammer Frankfurt (Oder), ist die Nachfolge entscheidend für die Fortführung dieser Betriebe. Trotz positiver Beispiele wie der Elektro Albert GmbH in Milmersdorf, die erfolgreich einen Nachfolger gefunden hat, zeigt sich, dass dies nicht die Regel ist. Viele Betriebe kämpfen mit der fehlenden Nachfolgerschaft, oft innerhalb der eigenen Familie oder des Unternehmens.

Doch warum gibt es so wenige Nachfolger? Ein Hauptproblem liegt im Fachkräftemangel und der angespannten wirtschaftlichen Lage, die es für potenzielle Nachfolger oder deren Familien oft schwer macht, eine Perspektive zu finden. Zudem tragen persönliche Entscheidungen der Inhaber sowie eine zunehmende Bürokratie zur Problematik bei.

Unterstützungsangebote für die Nachfolge

Um der Misere entgegenzuwirken, hat die Handwerkskammer verschiedene Initiativen gestartet. Ein besonders wirksames Projekt ist die „Sensibilisierung von Unternehmen für frühzeitige Betriebsnachfolgen“, unterstützt durch das Land Brandenburg sowie die EU. Dies wird ergänzt durch individuelle Gespräche zur Nachfolgeplanung und der Begleitung durch erfahrene Betriebsberater während des gesamten Übergabeprozesses. Es werden auch zahlreiche Informationsveranstaltungen und Seminare zu rechtlichen und organisatorischen Aspekten angeboten. Ein Beispiel ist ein Webinar, das am 14. April zu steuerlichen Aspekten bei Betriebsübergaben stattfindet.

Doch nicht nur die Handwerkskammer ist aktiv. Die Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern sowie die Bürgschaftsbank Brandenburg haben die Nachfolgezentrale Brandenburg ins Leben gerufen. Dieses innovative Onlineportal, erreichbar unter nachfolgezentrale-brandenburg.de, verbindet abgebende Unternehmer mit potenziellen Nachfolgern. Über 90.000 Unternehmen in Brandenburg haben Geschäftsführer über 55 Jahre, viele von ihnen ohne Nachfolger. Mit einem spezialisierten Algorithmus werden Übereinstimmungen zwischen abgebenden und interessierten Nachfolgern gesucht.

Sicherungsstrategien für Arbeitsplätze

Der Wirtschaftsminister Prof. Dr.-Ing. Jörg Steinbach hebt hervor, wie wichtig Handwerksbetriebe und kleine bis mittlere Unternehmen für die wirtschaftliche Stabilität Brandenburgs sind. Die Förderung der Nachfolgezentrale umfasst großzügige 1,2 Millionen Euro bis 2027. Durch eine Unternehmensübernahme profitieren Nachfolger von einer bereits etablierten Marktposition, Erfahrung durch vorhandene Mitarbeiter und einem bestehenden Kundenstamm, was oft zu schnelleren Erfolgen führt.

Ein weiteres Problem, das nicht ignoriert werden darf, ist die Tatsache, dass viele Betriebsinhaber kurz vor der Pensionierung ihre Firmen verkleinern und in die Ausbildung keine Mittel mehr investieren. Dies hat zur Folge, dass etliche Betriebe „leise“ schließen, was nicht nur ihre Existenz, sondern auch die regionale Versorgung gefährdet. CDU-Bundestagsabgeordnete Nora Seitz betont die Notwendigkeit, das Verantwortungsbewusstsein potenzieller Nachfolger zu schärfen und den Wert des Handwerks in der Gesellschaft stärker zu etablieren. Ihr Vorschlag: Gründerschutzzonen für Start-ups und tragfähige Modelle für Betriebsübernahmen.

Laut Berichten ist es gegen die bürokratischen Hürden, die viele Handwerker belasten, schwer anzukämpfen. Ein Drittel der Arbeitskraft eines Unternehmers wird durch Bürokratie gebunden. Die Digitalisierung als Lösung könnte hier helfen, stellt aber in der Praxis oft eine Herausforderung dar, besonders für Betriebe mit begrenzten finanziellen Mitteln. Zumindest ein guter Ansatz zeigt sich in den Aktivitäten der Handwerkskammern, um den Unternehmertum und die Übergaben zu erleichtern.

Es ist klar: Die Zukunft vieler Handwerksbetriebe in Brandenburg hängt von der erfolgreichen Nachfolge ab. Unternehmer sollten sich frühzeitig mit diesem wichtigen Thema auseinandersetzen, um ihre Lebenswerke zu bewahren und Arbeitsplätze zu sichern.