In der Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg wurde am 19. April 2026 der Opfer des Konzentrationslagers gedacht, das vor 81 Jahren befreit wurde. Die Zeremonie war geprägt von tiefem Respekt und der Mahnung, die Erinnerung an die Gräueltaten des Nationalsozialismus lebendig zu halten. Unter den Teilnehmenden waren auch zwei Holocaust-Überlebende, Bogdan Bartnikowski aus Polen, 94 Jahre alt, und Mykola Urban, der mit 101 Jahren zu den ältesten Überlebenden zählt. Ihre Anwesenheit verdeutlicht die Dringlichkeit, die Erinnerungen an die dunkle Vergangenheit zu bewahren.
In seinen bewegenden Worten erinnerte Bartnikowski daran, dass „all das begann mit Worten, mit Hass, mit Verachtung“. Diese Aussage unterstreicht die Bedeutung der Sprache und des Dialogs, um zukünftige Gräueltaten zu verhindern. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) betonte, wie wichtig das Erinnern für den Frieden und die Völkerverständigung ist. Er appellierte an alle Anwesenden, sich aktiv mit der Geschichte auseinanderzusetzen.
Ein Blick in die Geschichte
Die Gedenkveranstaltung fand im Kontext der Befreiung des KZ Sachsenhausen am 22. April 1945 statt, als polnische und sowjetische Soldaten rund 3.000 Häftlinge, Pfleger und Ärzte befreiten. In der Zeit zwischen 1936 und 1945 waren über 200.000 Menschen aus etwa 40 Ländern in Sachsenhausen und seinen Außenlagern inhaftiert. Tragischerweise starben mindestens 55.000 Menschen an den unmenschlichen Haftbedingungen oder wurden von der SS ermordet. Die Erinnerungen an diese Zeit sind auch heute noch von großer Bedeutung, da viele der einstigen Häftlinge ihre Geschichten nicht mehr erzählen können.
Axel Drecoll, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, wies darauf hin, dass die Geschichte des NS-Regimes und seiner Verbrechen nicht vorbei ist. Dies wird besonders deutlich, wenn man bedenkt, dass im Herbst 1941 mindestens 10.000 sowjetische Kriegsgefangene in einer Genickschussanlage ermordet oder in Lastwagen vergast wurden. Solche historischen Fakten sind wichtig, um die Dimensionen des Leids zu begreifen, das in den Konzentrationslagern erlitten wurde.
Zukunft der Erinnerung
Die Gedenkstätten setzen auf kreative Ansätze wie Kunst, Musik und Workshops, um die Geschichte lebendig zu halten und an die Jüngeren weiterzugeben. Schülerinnen und Schüler waren ebenfalls bei der Gedenkzeremonie anwesend, was Hoffnung auf eine engagierte Zukunft vermittelt. Katrin Grüber, die Enkelin eines Sachsenhausen-Häftlings, hebt die Bedeutung der Erinnerungskultur hervor und fordert dazu auf, die Lehren aus der Vergangenheit nicht zu vergessen.
Am 3. Mai wird zudem eine Gedenkveranstaltung in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück zur Befreiung des Frauen-Konzentrationslagers stattfinden. Angesichts der abnehmenden Zahl der Holocaust-Überlebenden, die ihre Erfahrungen teilen können, ist es wichtiger denn je, diese Erinnerungen zu bewahren und eine lebendige Erinnerungskultur zu fördern.
Die jüngsten Gedenkveranstaltungen stehen jedoch auch im Schatten der politischen Auseinandersetzungen. Die AfD wird bei den Gedenkveranstaltungen anlässlich der Befreiung des KZ Sachsenhausen das Niederlegen von Kränzen untersagt, was erneut die Spannungen in der Gesellschaft verdeutlicht. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte bleibt also eine zentrale Herausforderung für die Gesellschaft.
Die Gedenkstätte Sachsenhausen bleibt ein Ort des Lernens und der Reflexion, und die Stimmen der Überlebenden sind ein wertvolles Erbe, das es zu schützen gilt. Durch das Erinnern an die Vergangenheit können wir die Weichen für eine friedliche und verständnisvolle Zukunft stellen.