Am Sonntag, den 19. April 2026, wurde in Oranienburg der Franz-Bobzien-Preis verliehen. Der besondere Anlass dieser Feier war der 81. Jahrestag der Befreiung des KZ Sachsenhausen. In diesem Jahr gab es gleich zwei erste Plätze, die für ihre herausragenden Projekte ausgezeichnet wurden: das Projekt „Demokratie erfordert Engagement – Tu was!“ des Vereins care4democracy aus Falkensee und das Projekt „Spurensicherung“ des Arbeitskreises „Zwangsarbeit Gedenken“ aus Ludwigsfelde. Beide Projekte teilen sich ein Preisgeld von insgesamt 5000 Euro, welches die wertvolle Arbeit zur Förderung einer demokratischen und toleranten Gesellschaft würdigt.

Die Preisverleihung war ein großer Erfolg, mit über 60 Bewerbungen aus Brandenburg und Berlin – ein neuer Rekord! Der Verein care4democracy setzt auf niedrigschwellige Formate zur Aufklärung über Faschismus und organisiert zahlreiche Veranstaltungen, darunter Lesungen, Filmabende und Diskussionsrunden. Das Projekt „Spurensicherung“ hingegen widmet sich der Geschichte eines ehemaligen KZ-Außenlagers, wo während der NS-Zeit über 10.000 Zwangsarbeiter in der Flugzeugmotorenproduktion eingesetzt waren. Dazu gehören Gedenkspaziergänge, Diskussionsveranstaltungen und eine interaktive Website, die die Geschichte lebendig hält.

Vielfältige Ansätze zur Erinnerung

Den zweiten Platz erhielt das Projekt „Lieder aus Sachsenhausen I – #NieWiederIstJetzt“ des Chorverbands Berlin. Hierbei wurde ein Projektchor gegründet, der Lieder, welche aus dem KZ Sachsenhausen stammen, gesammelt und arrangiert hat. Den dritten Platz sicherte sich die Jugendgeschichtsrallye „Meet & Speed“ des Vereins für Jugendhilfe und Sozialarbeit. Als Anerkennung für ihren Einsatz erhalten die zweit- und drittplatzierten Projekte Aufenthalte in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Sachsenhausen, was die Verbindung zwischen Geschichte und künftigen Generationen stärkt.

Die festliche Preisverleihung fand in der Orangerie statt, wo Gäste aus Politik und zahlreichen Partnern zusammenkamen. Schirmherr des Preises, Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), sowie der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Axel Drecoll, unterstrichen in ihren Reden die Bedeutung der Auseinandersetzung mit der Diktatur und den mutigen Einsatz von Franz Bobzien, einem Lehrer und Politiker, der ab 1938 im KZ Sachsenhausen inhaftiert war.

Neue Gedenkstättenkonzeption

In einem breiteren Kontext ist die Bedeutung von Gedenkstätten auch auf bundespolitischer Ebene aktuell. Der Bund hat die Gedenkstättenkonzeption grundlegend erneuert, die am 11. November 2025 vom Bundeskabinett verabschiedet wurde. Diese neue Fassung bekräftigt die Singularität der Schoah und benennt das Unrecht der SED-Diktatur eindeutig. Zudem wird die politische und wissenschaftliche Unabhängigkeit der Gedenkstätten unterstrichen. Neue Schwerpunkte in der Projektförderung sollen die Erinnerungskultur stärken und die Demokratie fördern. Die Auseinandersetzung mit dem deutschen Kolonialismus hingegen wird in einem separaten Konzept behandelt, was die Komplexität der deutschen Geschichte verdeutlicht.

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Die Verleihung des Franz-Bobzien-Preises und die aktuellen Entwicklungen in der Gedenkstättenarbeit zeigen eindrucksvoll, wie wichtig es ist, die Erinnerungskultur lebendig zu halten und die Lehren aus der Geschichte aktiv in unsere Gesellschaft einzubringen.