Die Innenstadt von Zossen steht vor einer Herausforderung: Leerstände prägen das Bild an zentralen Straßen wie der Baruther Straße, der Berliner Straße und dem Marktplatz. Momentan sind dort 14 Ladenlokale ungenutzt, insgesamt gibt es fast 20 verwaiste Gewerbeflächen, wenn man Büros mit einrechnet. Markante Schaufenster zeigen bereits „zu vermieten“-Zettel und machen deutlich, dass hier Handlungsbedarf besteht. Doch trotz dieser Schwierigkeiten gibt es auch positive Entwicklungen. Ein neuer Betreiber hat den Spätkauf am Marktplatz übernommen, und das vietnamesische Restaurant „Pho Hoi“ hat sich in der Innenstadt niedergelassen, was frischen Wind in die gastronomische Landschaft bringt. Dies berichtet die MAZ.
Um die Zukunft der Innenstadt aktiv zu gestalten, wird eine Umfrage gestartet, die sich direkt an die Leser wendet. Die Frage lautet: Welche Geschäfte wünschen sich die Zossener in ihrer Stadt? Zudem interessiert es, wie die Bürger:innen das aktuelle Angebot im Stadtkern bewerten. Diese Bürgerbeteiligung könnte ein wichtiger Schritt sein, um die Innenstadt attraktiver zu gestalten und das Kaufverhalten der Menschen zu beeinflussen.
Die Herausforderungen des Einzelhandels
Diese Entwicklungen lassen sich nicht losgelöst von den allgemeinen Trends im stationären Einzelhandel betrachten. Der Einzelhandel in Deutschland sieht sich großen Herausforderungen gegenüber, wie Lebensmittel Praxis berichtet. Verbraucher tendieren zunehmend dazu, in Klein- und Mittelstädten einzukaufen, was Zossen durchaus zugutekommen könnte. Die kurzen Wege, die angenehme Atmosphäre und die Übersichtlichkeit sind Vorteile, die viele schätzen. Dennoch zeigt eine aktuelle Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts IFH, dass der stationäre Handel an Relevanz verliert. Der Anteil der Verbraucher, die beim entspannten Bummeln spontan etwas kaufen, ist im einjährigen Vergleich von 46% auf 42% gesunken.
Die obigen Entwicklungen sind ein Ausdruck des gestiegenen Wettbewerbs, während über ein Drittel der Menschen das Einkaufen in Innenstädten als zunehmend langweilig empfindet, hauptsächlich wegen der ähnlichen Anbieter. Dazu kommt der Fachkräftemangel und eine wachsende Zahl an Insolvenzen: Seit 2020 haben etwa 46.000 Geschäfte in Deutschland geschlossen. In fast 30% der Städte überschreitet die Leerstandsquote in Fußgängerzonen die 10%-Marke, was für die Innenstädte alarmierende Zahlen sind.
Ausblick auf die Zukunft
Die Prognosen des Handelsverbands Deutschland (HDE) zeigen, dass für 2024 ein inflationsbereinigtes Umsatzwachstum im stationären Handel von nur 1% erwartet wird. Trotz dieser Herausforderungen gibt es auch Lichtblicke: Verbraucher schätzen vor allem die Möglichkeit, Produkte direkt mitzunehmen und auszuprobieren. Die Sicherheit beim Kauf hochwertiger Produkte und die Vermeidung von Fake Shops spielen ebenfalls eine Rolle. Insbesondere für die älter werdende Gesellschaft könnten Klein- und Mittelstädte mit ihren kurzen Wegen attraktiv sein.
Die Stadt Zossen hat also die Chance, mit einer aktiven Bürgerbeteiligung und einem gezielten Umdenken im Einzelhandel den eigenen Stadtkern lebendiger zu gestalten und den Herausforderungen der heutigen Zeit zu begegnen. Es bleibt spannend zu sehen, welche Ergebnisse die Umfrage zeitigen wird und welchen Einfluss sie auf die zukünftige Entwicklung der Stadt haben wird.