In der kleinen Gemeinde Kleinmachnow wird am 7. und 8. März ein ganz besonderes musikalisches Ereignis stattfinden: die Aufführung von J. S. Bachs Matthäus-Passion in einer gekürzten Textfassung von Felix Mendelssohn Bartholdy. Diese Aufführung verspricht nicht nur ein Fest der Musik zu werden, sondern ist auch eine Hommage an die jahrhundertealte Tradition der Kirchenmusik. Unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor (KMD) Karsten Seibt, der sich nach über 35 Jahren Dienst in der Gemeinde in den Ruhestand verabschiedet, wird der große Chor, die Kurrende sowie der Jugendchor der Kantorei ihr Bestes geben.

Die Matthäus-Passion, die als Meisterwerk der westlichen Musikgeschichte gilt, wurde ursprünglich 1727 oder 1729 in der Thomaskirche in Leipzig uraufgeführt. Die Aufführung in Kleinmachnow wird sich durch die Verwendung der gekürzten Textfassung aus dem Jahr 1829, die in der Berliner Singakademie aufgeführt wurde, auszeichnen. Besonders bemerkenswert ist, dass auf die Predigt zwischen den Teilen verzichtet wird, wodurch die Aufführung unter zwei Stunden dauern wird. Für die musikalische Darbietung sind herausragende Solisten engagiert worden: Caroline Seibt (Sopran), Anna Smith (Alt), Clemens Löschmann und Andreas Post (Tenöre), sowie Wolfram Teßmer und Jörg Gottschick (Bass).

Einblicke in Mendelssohns Arrangement

Felix Mendelssohns Arrangement von Bachs Werk ist nicht nur eine kreative Neugestaltung, sondern auch eine Wiederbelebung der Musik Bachs, die im 19. Jahrhundert oft in Vergessenheit geraten war. Mendelssohn hat etwa ein Drittel des Originals gelöscht und bestimmte Teile umformuliert, was das Werk unmittelbarer macht und die Handlung stärkt. In der aktuellen Aufführung in Kleinmachnow werden kommentierende Texte von Dr. Wolfgang Hegener, Bernhard Hanuschick und Antonia Braun eingefügt, um das Sündenverständnis und den Antijudaismus des Matthäusevangeliums zu thematisieren.

Die Interpretation der Matthäus-Passion wird auch durch die jüngste Aufnahme des Bach Choir of Bethlehem und des Bach Festival Orchestra unter der Leitung von Christopher Jackson ergänzt. Diese Aufnahme basiert auf Mendelssohns Arrangement von 1841 und zeigt eine Balance zwischen Solisten, Doppelchor, Orchester und Continuo. Besonders hervorzuheben ist die Verwendung eines Fortepianos anstelle einer Orgel für die Evangelisten-Rezitativ, was einen nostalgischen Klang erzeugt. Emotionale Tiefe und die spirituelle Wirkung der Matthäus-Passion bleiben in dieser Neuinterpretation erhalten und zeigen Mendelssohns Bewunderung für Bachs Meisterwerk (The Classic Review).

Ein Abschied und eine Hommage

Die Aufführung in Kleinmachnow ist auch ein Abschied für Karsten Seibt, der am Ostersonntag im Gottesdienst offiziell verabschiedet wird. Seibt hat über viele Jahre hinweg die musikalische Kultur der Gemeinde geprägt und wird in seiner Funktion als Kirchenmusikdirektor geschätzt. Die Kombination aus einem musikalischen Meisterwerk und einem emotionalen Abschied macht dieses Konzert zu einem besonderen Ereignis für die Gemeinde und die Musikliebhaber in der Region.

Die Möglichkeit, Restkarten in der Naturbuchhandlung, Adolf-Grimme-Ring 12, Kleinmachnow zu erwerben, sollte von Interessierten genutzt werden, um Teil dieser bewegenden Aufführung zu sein. Die Matthäus-Passion bleibt ein zeitloses Werk, das nicht nur musikalische Schönheit bietet, sondern auch tiefgehende spirituelle und gesellschaftliche Fragestellungen aufwirft (Stadtblatt Online).