In Deutschland boomt der Markt für gebrauchte Waren. Viele Menschen haben Wohnungen voller Dinge, die sie verkaufen oder verschenken möchten, darunter Heimtrainer, Heißluftfritteusen und DVDs. In dieser digitalen Kreislaufwirtschaft haben sich zwei Unternehmen als dominierende Akteure etabliert: Kleinanzeigen.de und Nebenan.de. Verkäufer haben die Wahl zwischen der größeren Reichweite von Kleinanzeigen.de und dem nachbarschaftlichen Ansatz von Nebenan.de, der besonders in Berlin an Bedeutung gewinnt.
Kleinanzeigen.de, das früher Teil von eBay war, hat in den letzten 15 Jahren eine treue Nutzerbasis aufgebaut, die ihre Artikel verkaufen möchte. Trotz der Popularität berichten viele Nutzer von Schwierigkeiten, Käufer zu finden, und viele Anfragen bleiben unbeantwortet. So erhalten nur 55% der Anzeigen auf Kleinanzeigen.de Kontaktanfragen, während dieser Anteil im Januar 2025 noch bei 78% lag. Dennoch sieht Kleinanzeigen.de keinen Abwärtstrend, da die Kontaktanfragen stabil geblieben sind und das Anzeigenvolumen gestiegen ist. Besonders Secondhand-Artikel, vor allem Retro-Produkte, erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit.
Die Rolle von Nebenan.de
Auf der anderen Seite verzeichnet Nebenan.de einen zunehmenden Austausch gebrauchter Dinge innerhalb von Nachbarschaften. Über die Hälfte der Diskussionen auf dieser Plattform enthält Begriffe wie „verkaufen, verschenken, tauschen“. Nebenan.de wird oft als Ergänzung zu Kleinanzeigen.de gesehen und fördert einen lokalen Kreislauf, der auf Vertrauen basiert. Während der nachbarschaftliche Handel in Berlin weit verbreitet ist, besonders in Randbezirken wie Marzahn-Hellersdorf, Reinickendorf und Lichtenberg, bleibt Kleinanzeigen.de für den Verkauf höherpreisiger Güter von Bedeutung.
Das Verschenken von Dingen gestaltet sich auf anonymen Plattformen oft mühsam. In Nachbarschaften hingegen ist es einfacher und sozial eingebettet, was die Nutzung von Plattformen wie Nebenan.de besonders attraktiv macht. Der Secondhand-Markt in Berlin differenziert sich, anstatt sich auf andere Plattformen zu verlagern, findet er näher an den Wohnorten der Menschen statt.
Datenschutz und Sicherheit auf Kleinanzeigen.de
Obwohl Kleinanzeigen.de eine beliebte Plattform ist, gibt es auch Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes. Die Plattform erfasst eine Vielzahl von Daten, darunter Typ und Einstellungen des Browsers, Informationen zum Betriebssystem, Cookie-Informationen und die IP-Adresse der Nutzer. Diese Daten können für Marktforschung und zielgerichtete Werbung verwendet werden, was die Privatsphäre der Nutzer in den Hintergrund drängt. Über 1000 Drittanbieter, einschließlich Google-Advertising-Partner, könnten theoretisch auf diese Daten zugreifen. Daher ist es wichtig, dass Nutzer ihre persönlichen Daten nicht leichtfertig weitergeben.
Kleinanzeigen.de bietet eine kostenfreie Nutzung für Privatpersonen, allerdings fallen Gebühren für die Bewerbung von Artikeln und die Nutzung des Bezahldienstes „Sicher Bezahlen“ an. Mit diesem System wird das Geld auf einem Treuhandkonto verwahrt, bis der Erhalt der Ware bestätigt ist. Dennoch kann es zu Verzögerungen bei Transaktionsbestätigungen kommen, was bei Verkäufern für Unmut sorgt. Nutzer sollten im Zweifel persönliche Abholung mit Barzahlung bevorzugen, um Betrug zu vermeiden.
Ein Blick in die Zukunft der Kreislaufwirtschaft
Die Entwicklungen im Bereich der digitalen Kreislaufwirtschaft sind vielversprechend. Die Europäische Kommission hat den digitalen Produktpass (DPP) initiiert, der ab 2027 in der EU-BattVO eingeführt werden soll. Dieser wird als zentraler Informationsträger in einer digital-unterstützten Kreislaufwirtschaft dienen und Daten zu Materialien und Produkten bereitstellen. Ziel ist es, systemweite Analysen von Stoff- und Warenströmen zu ermöglichen und eine nachhaltige Wirtschaft zu fördern.
Die deutschen Initiativen zur Umsetzung des DPP zielen darauf ab, Informations- und Datensysteme für eine digital-zirkuläre Wirtschaft bis 2030 zu etablieren. Dazu gehören Projekte zur Entwicklung und Erprobung von DPP-spezifischen Use-Cases, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. Diese Entwicklungen könnten letztendlich dazu beitragen, dass der Secondhand-Markt noch stärker in die digitale Kreislaufwirtschaft integriert wird und die Nachhaltigkeit weiter gefördert wird.
Für mehr Informationen über die digitale Kreislaufwirtschaft und den aktuellen Stand, besuchen Sie die Webseite der Verbraucherzentrale unter Verbraucherzentrale und die Plattform zur Kreislaufwirtschaft in Deutschland unter Kreislaufwirtschaft Deutschland.