Andreas Möller: Erinnerungen an den Künstler aus Kleinmachnow

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Andreas Möller erkundet in seinem Buch die Lebensgeschichte seines Großvaters in Kleinmachnow, einem bedeutenden Ort für Intellektuelle der DDR.

Andreas Möller erkundet in seinem Buch die Lebensgeschichte seines Großvaters in Kleinmachnow, einem bedeutenden Ort für Intellektuelle der DDR.
Andreas Möller erkundet in seinem Buch die Lebensgeschichte seines Großvaters in Kleinmachnow, einem bedeutenden Ort für Intellektuelle der DDR.

Andreas Möller: Erinnerungen an den Künstler aus Kleinmachnow

In Kleinmachnow, einem beschaulichen Vorort von Berlin, wird die bewegte Geschichte des 20. Jahrhunderts lebendig. Andreas Möller, ein talentierter Journalist, hat sich auf die Spur seines Großvaters, Andreas Niessen, begeben, der in dieser Gegend ein bewegtes Leben führte. Sein neues Buch, „Am Rande Berlins lebt die Intelligenz: Kleinmachnow, mein Großvater und die Reklame fürs Volk“, nimmt die Leser mit auf eine Reise durch drei politische Systeme – vom Kaiserreich über den Nationalsozialismus bis zur DDR. RBB berichtet, wie Möller die magischen Erinnerungen an die Kindheit in Kleinmachnow nutzt, um die künstlerische Hinterlassenschaft seines Großvaters zu erkunden.

Andreas Niessen, geboren 1906 in Bonn, war ein Schriftsetzer und Grafiker, der während der Weimarer Republik eine erfolgreiche Karriere im Mosse-Verlag hatte, einem jüdischen Verlag. 1937 jedoch erhielt er aufgrund seiner Ehe mit einer Jüdin ein Berufsverbot. Seine Frau flüchtete später mit ihrem Kind nach Amsterdam, wo sie das Grauen des Holocaust überlebten. Niessen selbst wurde im Zweiten Weltkrieg an die Ostfront geschickt und geriet in amerikanische Gefangenschaft. Nach dem Krieg fand er in der DDR eine neue Anstellung als Werbegrafiker, doch ein abgelehnter Kalender zeigt, wie politisch belastet sein Schaffen war. Seine Kunst sollte sich nicht einer Ideologie unterwerfen, vielmehr war er ein Vertreter seiner Generation, der zwischen den Diktaturen navigieren musste.

Ein Leben zwischen den Welten

Kleinmachnow war nicht nur Heimat von Niessen, sondern auch ein Zentrum für Intellektuelle und Künstler in der DDR. Möller zieht Parallelen zu anderen kulturellen Milieus, wie etwa in Weißer Hirsch bei Dresden, wo auch Größen wie Christa Wolf lebten. Möllers Arbeit hebt hervor, wie Niessen inmitten von systematischer Zensur und gesellschaftlichem Druck seinen künstlerischen Prinzipien treu blieb. Sein Leben spiegelt die Mühen einer Generation wider, die ständig zwischen Kunst und politischer Doktrin hin und her gerissen war. So analysiert Möller das „Herunterregeln von Gefühlen“, das Niessen zeigt, als lebenswichtigen Mechanismus zum Selbstschutz gegen die Unterdrückung der Zeit.

Sein Großvater, der als Werbezeichner arbeitete, musste sich in der Zeit des Nationalsozialismus und später in der DDR in einer komplexen Beziehung zur Kunst zurechtfinden. Nach seiner Scheidung von seiner jüdischen Frau fand er sich in einer Propaganda-Einheit wieder. Trotz dieser belastenden Umstände blieb Niessen der inneren Emigration treu, einem Rückzug in die eigene Kreativität, die nicht den Ideologien seiner Zeit dienen wollte. Diese Erfahrungen sollen, so Möller, ein besseres Verständnis für die Komplexität seines Charakters und seines Schaffens liefern. Sein Buch ist ein Gegenentwurf zu anderen Biografien, die oft einseitig bleiben.

Ein bibliografisches Vermächtnis

Das 298 Seiten umfassende Werk, veröffentlicht von der Friedenauer Presse und für 25 Euro erhältlich, eröffnet nicht nur Einblicke in Niessens Leben, sondern thematisiert auch die Herausforderungen der Freiheit und das Streben nach künstlerischem Ausdruck in Zeiten der Unfreiheit. Möllers Ruf nach Erinnerungen, die über das Individuum hinausgehen und ein tieferes Verständnis für die zeitgenössische Gesellschaft bieten, ist laut Tagesschau leicht nachvollziehbar.

Mit seinem Buch hilft Andreas Möller, die Wunden der Vergangenheit sichtbar zu machen und ermuntert zur Auseinandersetzung mit den dunklen Kapiteln der deutschen Geschichte. Ein Aspekt seiner Erzählung ist auch die Auseinandersetzung mit der Kunst im Nationalsozialismus, wo nur jene Kunst akzeptiert wurde, die den Idealen des Regimes entsprach, während moderne und jüdische Kunst als „entartet“ verworfen wurden – eine traurige Zeit, die auch Niessen erlebte, wie auf Wikipedias Seiten nachzulesen ist.