In Bad Belzig hat Ami Schütte, eine 37-jährige Frau mit einer bewegten Vergangenheit, ihre Berufung gefunden. Ursprünglich strebte sie eine Karriere als Asylanwältin an, um Geflüchteten zu helfen und die Menschenrechte zu verteidigen. Ihr Studium der „European Law“ in den Niederlanden und die ehrenamtliche Arbeit in einer Kanzlei in Maastricht führten sie jedoch zu einer schmerzlichen Erkenntnis: Die Ohnmacht und Ungerechtigkeit im Asylsystem waren für sie unerträglich. 2015 entschied sie sich, nach Bad Belzig ins ZEGG (Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung) zu ziehen, um alternative Lebensformen zu erkunden.
In Bad Belzig hat Schütte einen neuen Weg eingeschlagen, der sich um das Konzept des „Embodiment“ dreht. Sie sieht psychische Erkrankungen nicht als individuelle Schwächen, sondern als Symptome gesellschaftlicher Zustände. Ihre Kurse und Workshops zielen darauf ab, das Körperbewusstsein zu stärken und eine bewusste Rückverbindung von Körper und Geist zu fördern. Dabei legt sie großen Wert auf intuitive Bewegungen und achtsamen Körperkontakt, ohne Leistungsdruck. Ihr Ansatz umfasst auch die Unterstützung im Verein Soziale Arbeit Mittelmark, wo sie mit dem Projekt „Mutkokon“ migrantische Frauen und Mädchen stärkt.
Die Bedeutung des Körperbewusstseins
Ein gutes und realistisches Körpergefühl ist entscheidend für unser Wohlbefinden. In verschiedenen Lebensphasen kann dieses Körpergefühl verloren gehen, was oft zu schmerzhafter Verdrängung führt. Der Zusammenhang zwischen Körper und Geist wird in Alan Fogels Buch über verkörperte Selbstwahrnehmung thematisiert, das psychologische und biomedizinische Forschung verbindet. Fogel erläutert psychophysiologische Grundprinzipien, die helfen können, Belastungen zu überwinden und dysfunktionale Verhaltensweisen zu verändern. Seine Ansätze könnten Schüttes Arbeit im Bereich „Embodiment“ ergänzen und vertiefen.
Die Techniken des Embodiments, wie sie von Schütte und anderen praktiziert werden, zielen darauf ab, ein neues Selbstverständnis zu entwickeln. Dies geschieht durch individuelle Mechanismen und ohne strenge Trainingspläne. Die Wechselwirkung zwischen körperlichen Gewohnheiten und psychischen Ausnahmesituationen wird untersucht, um langjährige Verhaltensmuster zu hinterfragen und zu verändern. Hierbei ist es wichtig zu betonen, dass es kein Falsch oder Richtig in der Therapie gibt, sondern dass Klienten gemeinsam mit Therapeuten an ihren individuellen Herausforderungen arbeiten.
Ein holistischer Ansatz für mehr Resilienz
Schütte betont, dass die Arbeit an inneren Schranken nicht nur körperlich erfahrbar gemacht werden kann, sondern auch neurobiologische Effekte hat. Dies zeigt, wie wichtig es ist, Körperintelligenz zu nutzen, um Stress und Emotionen positiv zu beeinflussen. Indem sie Workshops und Einzelsettings anbietet, fördert sie die Stärkung innerer Haltungen und Resilienz. Sie verfolgt weiterhin ihren Plan, Menschen auf ihrem Weg zu helfen, auch wenn sie die Grenzen der Welt nicht auflösen kann.
In einer Zeit, in der immer mehr Menschen mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen haben, bietet Schüttes ganzheitlicher Ansatz in Bad Belzig eine wertvolle Perspektive. Ihre Arbeit ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie Embodiment-Therapie nicht nur das individuelle Wohlbefinden steigern, sondern auch zu einem gesellschaftlichen Wandel beitragen kann. Weitere Informationen über ihre Kurse und Workshops können auf ihrer Webseite gefunden werden.