Im beschaulichen Wildau macht die Anwohnergemeinschaft ein ungutes Geschäft mit einem Problem, das sie schon lange belastet: Der Stichkanal, der die Dahme mit dem Wildauer Werksgelände verbindet, bleibt weiterhin ein Sorgenkind. Der Kanal, der ursprünglich 1898 für den Rohstofftransport zu den Schwartzkopff-Werken erbaut wurde, ist mittlerweile stark in die Jahre gekommen. Altöle und Phenole belasten ihn und sorgen insbesondere in den warmen Monaten für unangenehme Geruchsbelästigungen. Wegen dieser belastenden Situation hat die Stadt Wildau die Sanierungspläne für die 500 Meter lange Wasserstraße vorläufig auf Eis gelegt, wie maz-online.de berichtet.

Ein gewaltiger Berg an Herausforderungen steht vor der Stadt, denn die geschätzten Sanierungskosten in Höhe von 2,4 Millionen Euro können nicht alleine getragen werden. Zusätzliche Fördermittel sind nicht in Sicht, und auch die Pläne zur Entwicklung des Gebiets rund um den Stichkanal, welche mit etwa 80 Millionen Euro veranschlagt sind, folgen vorerst dem gleichen Schicksal. Bürgermeister Frank Nerlich wollte jedoch eines klarstellen: „Das Projekt ist nicht begraben, es dauert nur länger“, erklärt er. Die Stadt ist durch den Neubau einer Grundschule stark belastet und muss erst einmal ihre finanziellen Hausaufgaben erledigen.

Schritt für Schritt vorwärts

In dieser angespannnten Situation schlägt Stadtverordneter Thomas Wilde vor, kleinere Maßnahmen zu ergreifen, um die Lebensqualität vor Ort zu verbessern. Vor allem zusätzliche Parkflächen stehen auf seiner Agenda. Ein Anwohner bringt allerdings seine Skepsis zum Ausdruck und plädiert dafür, dass Parkplätze Priorität genießen sollten. Ein von der Stadt geworfenes Sanierungskonzept aus dem Jahr 2019 warf 700.000 Euro Fördermittel über Bord und ließ die Anwohner in Ungewissheit.

Die Sanierung des Kanals ist zudem kompliziert, da er teils zugeschüttet ist und die belasteten Sedimente Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und andere Schadstoffe enthalten. Diese Verunreinigungen stellen nicht nur eine Geruchsbelästigung dar, sondern belasten auch das Grundwasser und die Dahme. privatschulen-ve.de erwähnt, dass es bereits umwelttechnische Ansätze gibt, um das Problem in den Griff zu bekommen, etwa durch biologische und physikalische Verfahren zur Sanierung. Die Möglichkeiten reichen von der Nutzung von Mikroorganismen bis hin zu elektrokinetischen Verfahren.

Die Entwicklung bleibt auf der Strecke

Die bisherige Entwicklung bleibt jedoch hinter den Erwartungen zurück. Viele Bürger in Wildau wünschen sich, dass hier endlich eine Lösung gefunden wird, um die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern und die negativen Einflüsse des belasteten Kanals zu mindern. Die spannendste Frage bleibt: Wie lässt sich eine bezahlbare Sanierung umsetzen? Bis eine Entscheidung getroffen ist, bleibt den Anwohnern nur, zu hoffen, dass nicht nur Schrittmärsche, sondern auch tatsächliche Fortschritte auf dem Weg zur Sanierung des Stichkanals erzielt werden können.