Im Landkreis Dahme-Spreewald kommt es derzeit zu Warnstreiks, die von den Gewerkschaften GEW, IG BAU, GdP und ver.di organisiert werden. Diese Aktionen zielen darauf ab, den Druck auf die Arbeitgeber im öffentlichen Dienst zu erhöhen. Die Beschäftigten in der Region sind von den Streiks betroffen, da zentrale Bereiche des öffentlichen Lebens, wie Kitas, Schulen und Ämter, im Fokus stehen. In den bislang durchgeführten Verhandlungsrunden haben die Arbeitgeber kein konkretes Angebot unterbreitet. Sie äußern lediglich, dass sie sich eine Lohnerhöhung „auf dem Niveau der Inflation plus einen Schnaps oben drauf“ vorstellen könnten. Das sorgt für Unmut unter den Gewerkschaften, die die Arbeitgeberäußerungen als „verächtliche Rhetorik“ kritisieren.
Der Streikaufruf richtet sich nicht nur an die Beschäftigten im Landkreis, sondern betrifft auch viele Angestellte in Berlin, darunter Feuerwehr, Polizeidienststellen und Hochschulen. In Brandenburg sind auch die Landesministerien und die Polizei betroffen. Die Auswirkungen sind für die Bürger im Dahme-Spreewald spürbar, da wichtige Dienstleistungen eingeschränkt werden. Die Gewerkschaften warnen zudem vor den negativen Folgen der Blockadehaltung der Arbeitgeber auf Bildungseinrichtungen, was die Situation weiter eskalieren könnte. Die Kritik wird laut Felicia Kompio (GEW Berlin) besonders im Bildungsbereich laut, wo die Qualität der Ausbildung auf dem Spiel steht.
Forderungen und Verhandlungsstand
Die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst haben am 03.12.2025 in Berlin begonnen. Die Gewerkschaften fordern eine Lohnerhöhung von 7% oder mindestens 300 Euro zusätzlich. Für Nachwuchskräfte sollen monatlich 200 Euro mehr gezahlt werden, und die Zeitzuschläge sollen um 20% steigen. Die Laufzeit der Vereinbarung ist auf 12 Monate angelegt. Rund 2,2 Millionen Beschäftigte sind von diesen Verhandlungen betroffen, darunter über 900.000 Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst der Länder (außer Hessen) sowie etwa 1,3 Millionen Beamtinnen, Beamte und Versorgungsempfänger.
Trotz der hohen Forderungen lehnen die Arbeitgeber diese ab. So bezeichnete Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel die Forderungen als „nicht leistbar“ und „astronomisch“. Die Arbeitgeber argumentieren, dass die Erhöhung der Tabellenentgelte seit 2013 im Durchschnitt 42% betrage, während die Verbraucherpreise nur um 33,6% gestiegen seien. Diese unterschiedlichen Einschätzungen zur wirtschaftlichen Lage erschweren die Verhandlungen erheblich. Die Gewerkschaften befürchten, dass sie schlechtere Tarifverträge als in Bund und Kommunen erhalten könnten, während die Länder um ihre Handlungsfähigkeit fürchten.
Ein Blick auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen
Die aktuelle Situation wird zusätzlich durch den hohen Arbeitsdruck in den von ver.di organisierten Branchen verstärkt. Der Arbeitsdruck ist in vielen Bereichen, wie etwa in Krankenhäusern und Gesundheitsämtern, dauerhaft hoch. Zudem sanken die Reallöhne im Jahr 2022 um 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was durch den Preisanstieg nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verstärkt wurde. Die Inflation betrug laut statistischem Bundesamt 7,9 Prozent im Jahr 2022 und lag im Januar 2023 sogar bei 8,7 Prozent. Trotz einer leichten Abflachung der Inflation bleibt sie auf einem hohen Niveau.
Die Hans-Böckler-Stiftung warnt vor einer verschärften sozialen Spaltung durch die Inflation, insbesondere betroffen sind Familien mit niedrigen Einkommen. Arbeitgeber nehmen oft keine Verantwortung wahr, rechnen die Inflation klein und verweisen auf leere öffentliche Kassen. In diesem Kontext wird deutlich, dass der Streik auch eine Forderung nach mehr Respekt und Anerkennung der geleisteten Arbeit ist. Die Gewerkschaften setzen sich für höhere Löhne ein, um die Binnennachfrage zu stärken und den steigenden Arbeitsdruck in vielen Branchen zu bewältigen.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Verhandlungen weiterentwickeln und welche Auswirkungen die Warnstreiks auf die Bürger im Dahme-Spreewald haben werden. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 11. bis 13. Februar in Potsdam geplant. Die Mobilisierungsfähigkeit der Gewerkschaften wird als gut eingeschätzt, was auf weitere Protestaktionen hindeutet.