Die Tarifrunde 2026 im Handel hat begonnen und beschäftigt auch die Beschäftigten im Landkreis Dahme-Spreewald, der mit seinen Handelsstandorten in Schönefeld, Königs Wusterhausen und Lübben eine wichtige Rolle spielt. Die Gewerkschaft ver.di hat eine digitale Beschäftigtenbefragung im Einzelhandel gestartet, um konkrete Forderungen für die bevorstehenden Verhandlungen zu erarbeiten. Diese Umfrage ist von großer Bedeutung, da die Ergebnisse direkt in die Arbeit der Tarifkommissionen einfließen werden. Die letzte Tarifrunde war von langen Verhandlungen und Arbeitskämpfen geprägt, aber sie führte zu Verbesserungen bei Einkommen und Arbeitsbedingungen. Ver.di setzt auf frühzeitige Beteiligung und Mobilisierung in den Betrieben, um starke Forderungen zu entwickeln.
Im Landkreis Dahme-Spreewald ist der Handel ein entscheidender Wirtschaftsfaktor. Einzelhandelsgeschäfte sichern die Nahversorgung in den Mittelzentren wie Königs Wusterhausen und Lübben. Zudem gibt es in der Umgebung des Flughafens BER in Schönefeld zahlreiche Groß- und Außenhandelsunternehmen sowie Logistikbetriebe. Diese Tarifabschlüsse betreffen nicht nur Verkäufer und Angestellte im Einzelhandel, sondern auch die Beschäftigten im Großhandel und in der Logistik. Die zentralen Fragen für die Beschäftigten sind Einkommensentwicklung, Arbeitsbelastung und Planungssicherheit. Die Befragung soll bis zu den Verhandlungen ausgewertet werden, die im Juni 2026 im Einzelhandel beginnen werden. Ver.di erwartet eine rege Teilnahme der Beschäftigten, um ihre Prioritäten zu äußern.
Tarifverhandlungen im Gesundheitssektor
Ein weiteres wichtiges Thema im Landkreis ist die anstehende Tarifverhandlung für rund 650 nichtärztliche Beschäftigte und 145 Auszubildende des Klinikums Dahme-Spreewald, die am 3. Juni 2025 stattfinden wird. Die erste Verhandlungsrunde am 30. April 2025 brachte keine Einigung, und die Arbeitgeberseite hat bisher kein konkretes Tarifangebot unterbreitet. Die ver.di-Tarifkommission fordert unter anderem eine Angleichung an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) sowie eine Entgelterhöhung um 8 Prozent, mindestens jedoch 230 Euro. Insbesondere die Pflegebeschäftigten sollen von einer monatlichen Pflegezulage von 141 Euro und einer Erhöhung der Schichtzulage profitieren.
Das Klinikum Dahme-Spreewald, zu dem das Achenbachkrankenhaus in Königs Wusterhausen und die Spreewaldklinik in Lübben gehören, hat einen Haustarifvertrag, der seit 2013 besteht, jedoch zum 31. März 2025 gekündigt wurde. Der Landkreis Dahme-Spreewald ist mit 51 Prozent Mehrheitseigentümer des Klinikums, während die Sana Kliniken 49 Prozent halten. Ver.di-Verhandlungsführer Ralf Franke betont, dass die Arbeitsbedingungen dem TVöD entsprechen sollten, da das Klinikum mehrheitlich in öffentlicher Hand ist und ein Vergleich zu benachbarten Kliniken wie Charité und Vivantes gezogen wird, wo der TVöD bereits Anwendung findet.
Die Entwicklung der Tarifbindung im Einzelhandel
Die Tarifbindung im Einzelhandel ist jedoch rückläufig. Im Jahr 2023 lag der Anteil der Beschäftigten, die nach Tarif bezahlt werden, bei nur 22,9 Prozent, ein Rückgang im Vergleich zu 2014, als dieser Wert noch bei 38,2 Prozent lag. Diese Informationen stammen aus einer Anfrage des Bundesarbeitsministeriums. Beschäftigte in Unternehmen ohne Tarifbindung verdienen im Schnitt 3.867 Euro brutto, während tarifgebundene Mitarbeitende etwa 4.379 Euro verdienen. Dies zeigt ein deutliches Ost-West-Gefälle, da tarifgebundene Beschäftigte in Brandenburg durchschnittlich zwölf Euro pro Stunde weniger verdienen als in Hamburg.
Die Linkspartei kritisiert die Situation als prekäre Arbeitsbedingungen und miese Löhne und fordert von der Bundesregierung ein stärkeres Handeln. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat einen Referentenentwurf für ein Tariftreuegesetz vorgelegt, das sicherstellen soll, dass nur Unternehmen, die sich an Tarifbedingungen halten, Aufträge und Konzessionen vom Bund erhalten.
Die bevorstehenden Tarifverhandlungen und die sich verändernde Landschaft der Tarifbindung stellen sowohl Herausforderungen als auch Chancen für die Beschäftigten im Landkreis Dahme-Spreewald dar. Die aktive Teilnahme an Umfragen und Verhandlungen wird entscheidend sein, um die Arbeitsbedingungen und Löhne nachhaltig zu verbessern.