In Königs Wusterhausen gibt es einen lebendigen Austausch unter queeren Menschen, der durch den Gay-Stammtisch, der sich jeden Sonntag um 16 Uhr im Jagdschloß 1896 trifft, gefördert wird. Hier kommen Mitglieder zusammen, um über vielfältige Themen zu diskutieren, die von Dating und offenen Beziehungen bis hin zu Kinderwunsch und den Herausforderungen des Älterwerdens reichen. Die Nutzung von Dating-Apps hat zwar den Zugang zu Sexkontakten erleichtert, dennoch bleibt die Partnersuche für viele queere Personen eine zeitintensive und frustrierende Angelegenheit. Dies wird auch durch die Statistiken unterstrichen: Im Jahr 2024 wurden in Brandenburg 75 Fälle von Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung und 43 Fälle aufgrund von Diversität gemeldet.
Die Teilnehmer*innen des Stammtisches, darunter Thommy (schwul, Single), Frank (schwul, Single), Nancy (lesbisch, verheiratet, Mutter), Sandra (heterosexuell, Single) sowie das schwule Paar Micha und Milad, teilen ihre Erfahrungen und Herausforderungen. Thommy merkt an, dass es zwar einfacher sei, einen Sexualpartner zu finden, jedoch die Suche nach einer langfristigen Beziehung weitaus schwieriger sei. Nancy betont, dass queere Personen oft aktiver nach Partner:innen suchen müssen, während sie gleichzeitig über Diskriminierungserfahrungen berichtet, die sie und andere Queer-Personen gemacht haben. Laut einer Umfrage haben 54% der lesbischen, 41% der schwulen und 32% der bisexuellen Personen in Brandenburg Diskriminierung erfahren.
Herausforderungen bei der Partnersuche
Die Diskussion über die Herausforderungen bei der Partnersuche für queere Menschen umfasst auch die Unterschiede zwischen queeren und heterosexuellen Beziehungen. Trotz des Vorurteils, dass schwule Männer immer Sex wollen, erklärt Thommy, dass viele von ihnen eine monogame Beziehung anstreben. Ein häufiges Thema ist auch der Kinderwunsch, der oft auf später verschoben wird, da queere Personen zuerst ihren Platz in der Gesellschaft finden müssen. Für schwule Paare gestaltet sich die Familiengründung kompliziert, da Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist.
Ein weiterer Aspekt, der in den Gesprächen zur Sprache kommt, ist das Altern und die Herausforderungen in Pflegeheimen für queere Menschen. Milad, ein queerer Geflüchteter in Brandenburg, hat ebenfalls seine Erfahrungen geteilt und verdeutlicht, wie wichtig es ist, eine unterstützende Community zu haben.
Die Situation queerer Geflüchteter
Queere Geflüchtete stehen oft vor zusätzlichen Herausforderungen. Eine Person, die 2021 nach Deutschland kam, in der Hoffnung, nicht mehr in Angst leben zu müssen, berichtet von den strukturellen Diskriminierungen, die sie während ihres Asylverfahrens erleben musste. Anders als heteronormative Geflüchtete müssen queere Personen nachweisen, dass sie queer sind, was die Situation zusätzlich erschwert. In Brandenburg gibt es kaum Unterkünfte, die auf die Bedürfnisse queerer Geflüchteter ausgerichtet sind.
Die Initiative International Women Space hat jedoch eine Community aufgebaut, um queeren Geflüchteten zu helfen. Mit der Arbeitsgruppe Resilient Voices wird aktiv daran gearbeitet, queere Stimmen hörbar zu machen. Workshops, die speziell auf die Bedürfnisse queerer Geflüchteter ausgerichtet sind, bieten einen Raum, in dem Menschen kreativ sein und sich ausleben können. Dies ist besonders wichtig, um die Isolation zu brechen und Anschluss zu bieten.
Abschließende Gedanken
Die Herausforderungen, vor denen queere Menschen in Königs Wusterhausen und darüber hinaus stehen, sind vielschichtig. Von der Partnersuche über Diskriminierungserfahrungen bis hin zu den speziellen Bedürfnissen queerer Geflüchteter – es gibt viel zu tun, um eine inklusive und unterstützende Gemeinschaft zu schaffen. Es bleibt zu hoffen, dass durch Initiativen und Stammtische wie den in Königs Wusterhausen, die Sichtbarkeit und Akzeptanz queerer Lebensrealitäten weiter gefördert werden können. Quelle 1 und Quelle 2.