Am 13. Februar fand in der Stadtbibliothek Königs Wusterhausen eine aufschlussreiche Lesung des Autors Daniel Schreiber aus seinem Buch „Allein“ statt. Diese Veranstaltung, die unter dem Motto „Gemeinsam gegen Einsam in KW“ steht, wurde von Ilka Voth, der Amtsleiterin für Beteiligung, Presse und Kultur, eröffnet. In Kooperation zwischen der Bürgerstiftung Königs Wusterhausen und der Stadtverwaltung wurde ein Raum geschaffen, der zum gemeinsamen Nachdenken anregt. Die Themen des Abends umkreisten Einsamkeit, traditionelle Paarbeziehungen und alternative Lebensformen, die in der heutigen Gesellschaft immer relevanter werden.
Daniel Schreiber reflektiert in seinem Buch intensiv über das Leben ohne feste Partnerschaft und die damit verbundene Einsamkeit. Er stellt grundlegende Fragen: Kann man ohne Partner glücklich leben, besonders in einer Gesellschaft, die Ehe und Familie hoch schätzt? Als schwuler, mittelalter Mann teilt er persönliche Erfahrungen und beleuchtet die Beziehungen zu seinen Freunden. Dabei thematisiert er Ängste und den Druck von gesellschaftlichen Erwartungen, die oft mit dem Gefühl des Scheiterns einhergehen. Die COVID-19-Pandemie hat seine Einsamkeit verstärkt und die Rückzüge aus sozialen Kontakten intensiviert.
Einsamkeit als gesellschaftliches Phänomen
Schreiber behandelt in seinem Werk nicht nur persönliche Emotionen wie Scham, Schuld und Verzweiflung, sondern bietet auch philosophische, soziologische und literarische Einsichten. Die Lesung lud die Anwesenden ein, über die menschliche Emotionalität zu reflektieren und das eigene Erleben ernst zu nehmen. Der Autor kritisiert Stigmatisierung und falsche Scham und ermutigt dazu, die positiven Seiten der Einsamkeit zu erkennen. In einer Welt, in der Einsamkeit oft ein Tabuthema ist, bietet er eine erfrischende Perspektive.
Doch Einsamkeit ist nicht nur eine individuelle Erfahrung, sondern auch eine soziale Frage. Studien zeigen, dass Einsamkeit mit Rückzug aus sozialen Beziehungen und gesundheitlichen Problemen verbunden ist. Einsame Menschen beteiligen sich weniger am gesellschaftlichen Leben und fühlen sich oft nicht als Teil der Gemeinschaft. Dies kann das Vertrauen in demokratische Institutionen verringern und die Teilnahme an Wahlen reduzieren. Auch die COVID-19-Pandemie hat viele der genannten Herausforderungen verstärkt und die Einsamkeit zu einer geteilten Erfahrung gemacht.
Die Herausforderungen der Einsamkeit
Einsamkeit kann auf verschiedenen Ebenen erlebt werden: emotional, sozial oder kollektiv. Sie kann jeden Menschen zu jeder Zeit treffen, oft verstärkt durch Schicksalsschläge, Armut oder Migration. Die fehlenden sozialen Orte in unserer Gesellschaft tragen dazu bei, dass viele Menschen sich isoliert fühlen. Eine konstruktive Einsamkeitspolitik könnte helfen, Gelegenheitsstrukturen und öffentliche Räume zu schaffen, die Begegnungen fördern.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Lesung von Daniel Schreiber nicht nur Einblicke in das persönliche Erleben von Einsamkeit gewährte, sondern auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in den Blick nahm. Das Buch, das 160 Seiten umfasst und für 20 Euro erhältlich ist, bietet eine wertvolle Perspektive auf ein Thema, das immer mehr Menschen betrifft. Für weitere Informationen zur Veranstaltung und zu den Themen, die diskutiert wurden, besuchen Sie bitte die offizielle Webseite der Stadt Königs Wusterhausen.