Am 7. September 1949 trat der erste Deutsche Bundestag zusammen, ein historischer Moment, der den Grundstein für die parlamentarische Demokratie in Deutschland legte. Doch bei der ersten Sitzung waren von 410 Abgeordneten nur 28 Frauen vertreten, was gerade einmal 9 Prozent ausmachte. In den kommenden Jahren haben Frauen in der Politik jedoch einen bemerkenswerten Weg zurückgelegt, und diese Entwicklung wird in der Lesung zum Buch „Der nächste Redner ist eine Dame“ gewürdigt, das 2023/24 vom Deutschen Bundestag herausgegeben wird. Die Lesung findet am 6. März 2026 um 18 Uhr in der Stadtbibliothek Bernau statt und wird von Fanny Behr, der Gleichstellungsbeauftragten von Bernau, organisiert. Der Eintritt ist frei und die Veranstaltung ist barrierefrei.
Besonders interessant ist, dass die Lesung in Begleitung von Julia Franck, einer der Mit-Autorinnen und Preisträgerin des Deutschen Buchpreises 2007, sowie Natalie Weis vom Deutschen Bundestag stattfindet. Weis wird in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg einführen, während die Veranstaltung von der RBB-Politikjournalistin Amelie Ernst moderiert wird. Die Lesung thematisiert die Pionierarbeit von Frauen in der Politik und beleuchtet die Herausforderungen, denen sie sich gegenübersahen. Diese Herausforderungen sind auch historisch verankert: Viele der ersten weiblichen Abgeordneten benötigten die Zustimmung ihres Ehemannes für ihr Mandat und mussten sich Gehör bei ihren männlichen Kollegen verschaffen.
Einblicke in die Geschichte
Das Buch „Der nächste Redner ist eine Dame“, das am 15. Mai 2024 erscheint, beleuchtet die Biografien der ersten weiblichen Abgeordneten und enthält Porträts von fünf der 38 Frauen, die im ersten Bundestag saßen. Unter den Autorinnen finden sich prominente Namen wie Helene Bukowski, Shelly Kupferberg und Juli Zeh. Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) hat das Vorwort verfasst und fordert in ihren Reden eindringlich Parität im Parlament. Heute beträgt der Frauenanteil im Deutschen Bundestag etwa ein Drittel, was einen enormen Fortschritt darstellt. Im ersten Bundestag waren es lediglich 9 Prozent.
Historikerin Natalie Weis hebt hervor, dass viele der ersten Abgeordneten die ersten in ihren Familien waren, die einen höheren Schulabschluss erlangten oder studieren durften. Diese Errungenschaften sind Teil eines langen Kampfes für Gleichberechtigung, der bis heute andauert. Selbst einfache Teilhabe war für Frauen lange Zeit ein mühsamer Weg. Anfangs wurden Frauen nicht zu Abendveranstaltungen eingeladen, was ihre politische Mitgestaltung zusätzlich erschwerte. Die Lesung in Bernau wird nicht nur die Leistungen der Frauen im Bundestag feiern, sondern auch den langen Weg zur Gleichstellung in der Politik reflektieren.
Gelebte Gleichstellung: Perspektiven und Ausblick
Die Veranstaltung wird durch das Ministerium für Gesundheit und Soziales des Landes Brandenburg gefördert und bietet eine Plattform, um über den aktuellen Stand der Geschlechtergerechtigkeit in der Politik zu diskutieren. Die Gleichstellung von Frauen in der Politik bleibt ein zentrales Thema, das die Gesellschaft weiterhin beschäftigt. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich der Frauenanteil im Deutschen Bundestag zwar stabilisiert, jedoch sind viele Stimmen der Meinung, dass noch viel mehr getan werden muss, um eine echte Gleichstellung zu erreichen. Der lange Weg zur paritätischen Vertretung zeigt sich als zäh und voller Hürden.
Insgesamt ist die Lesung in Bernau nicht nur eine Hommage an die ersten Frauen im Deutschen Bundestag, sondern auch ein wichtiger Schritt, um das Bewusstsein für die Bedeutung der politischen Teilhabe von Frauen zu schärfen. Die Veranstaltung verspricht, nicht nur informativ, sondern auch inspirierend zu sein und dazu beizutragen, die Diskussion über Frauen in der Politik voranzutreiben. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie auf der Website von Barnim Aktuell.


