Die Lausitz, eine Region südöstlich von Berlin, war einst eines der größten Braunkohlereviere Deutschlands. Heute, nach dem Ende fast aller Tagebaue, präsentiert sich die Landschaft in einem neuen Licht. Wo einst karge und lebensfeindliche Abraumhalden dominierten, haben sich überraschend vielfältige Lebensräume entwickelt. Tiere und Pflanzen, die andernorts kaum eine Chance haben, finden hier ein neues Zuhause. Insekten, Vögel und Amphibien haben die Brachen besiedelt und zeigen, dass auch in ehemaligen Industriegebieten eine bemerkenswerte Natur ihren Platz hat. Besonders auffällig sind Tierarten wie Wolf, Kranich und Seeadler, die neue Naturschutzgebiete erobern.

Die Landschaft der Lausitz ist alles andere als eintönig. Sie umfasst eine beeindruckende Vielfalt an Biotopen, von Sandwüsten über Feuchtgebiete bis hin zu Wald und Heide. Einige der ansässigen Tierarten sind Generalisten, die von der Weite und dem Schutz vor menschlicher Störung profitieren. Doch nicht alles ist unproblematisch: Arten, die auf offene Lebensräume angewiesen sind, stehen durch die sich ausbreitende Vegetation vor Herausforderungen. Naturschützer sehen sich daher der Aufgabe gegenüber, die natürliche Entwicklung zu fördern, während sie gleichzeitig gefährdete Biotope schützen müssen. Offene Lebensräume wie die Heide werden aktiv gepflegt, um beispielsweise Vögeln wie dem Ziegenmelker eine Fortpflanzungsmöglichkeit zu bieten. Der Film, der die Entwicklung dieser neuen, artenreichen Landschaft dokumentiert, legt den Fokus auf die engagierten Naturschützer.

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Die Rolle der Bergbaufolgelandschaften

Die Bergbaufolgelandschaften, die durch den Abbau von Braunkohle im Tagebau entstanden sind, führen zu einer grundlegenden Umgestaltung der Umgebung. Diese neuen Landschaften sind keineswegs leer, sondern bieten Lebensräume für viele Arten, die in der umgebenden Normallandschaft selten sind. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) hat Wissenschaftler beauftragt, den aktuellen Kenntnisstand zu Arten und Lebensräumen in diesen Gebieten zu erheben. An der Untersuchung sind mehrere Institutionen beteiligt, darunter das Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften und die Hochschule Anhalt.

Der Braunkohlenbergbau hat in der Region eine lange Geschichte, die mehr als 200 Jahre zurückreicht und sich über rund 180.000 Hektar erstreckt. Der Höhepunkt der Förderung lag zwischen 1950 und 1990, was zu einem Flächendefizit nicht rekultivierter Kippen führte. Nach der politischen Wende wurde der Wert dieser Flächen für den Naturschutz erkannt, und verschiedene Naturschutzverbände übernahmen Flächen für den Prozessschutz. Die abgebauten Sedimente bieten besondere Standortbedingungen, die die Entwicklung von Pioniergesellschaften fördern.

Herausforderungen und Chancen für die Biodiversität

Die Entwicklung der Bergbaufolgelandschaften kann entweder unbeeinflusst oder durch gezielte Rekultivierungsmaßnahmen geschehen. Faktoren wie Wasserhaushalt, bodenchemische Eigenschaften und thermische Situation beeinflussen die Sukzession der Vegetation. In den letzten 15 Jahren hat die Artenvielfalt in offenen Lebensräumen abgenommen, während Wälder zugenommen haben. Dennoch ist die floristische Artenvielfalt nur geringfügig zurückgegangen, und viele Arten aus den Erstkartierungen vor 20 Jahren sind weiterhin vorhanden. In diesen Landschaften wurden insgesamt 1.300 von 4.165 bekannten Gefäßpflanzenarten, 51 von 105 Säugetierarten, 5 von 13 Reptilienarten und 15 von 22 Amphibienarten nachgewiesen. Besonders bemerkenswert ist, dass 145 Vogelarten in diesen Gebieten brüten, was nahezu jede zweite brütende Art in Deutschland entspricht.

Die Bergbaufolgelandschaften sind nicht nur wichtig für die Flora und Fauna, sondern auch für aquatische Lebensräume. Arten wie die Zauneidechse und die Italienische Schönschrecke profitieren von diesen neu geschaffenen Lebensräumen. Empfehlungen für den Naturschutz umfassen die Schaffung großer, ungenutzter Flächen und die Unterstützung geeigneter Organisationen, um kleinflächige Strukturen zu erhalten. Ein langfristiges Monitoring soll Daten zur Biodiversität und den Lebensräumen sammeln, die auch außerhalb der Bergbaugebiete relevant sind.

Globale Zusammenhänge und Biodiversität

Die Bedeutung der Biodiversität geht über die regionalen Entwicklungen hinaus und ist eine globale Herausforderung. Im Jahr 1992 unterzeichneten 196 Mitgliedsstaaten das internationale Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD), dessen Ziel es ist, die Biodiversität als internationale Aufgabe zu schützen. Der Rohstoffabbau spielt eine entscheidende Rolle bei der Erreichung der Aichi-Ziele und des Pariser Klimaabkommens. Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) zeigen, dass der Rohstoffbedarf für erneuerbare Energien bis 2040 um das Doppelte steigen wird, während der Bedarf an Kupfer und Nickel für die E-Mobilität erheblich zunehmen wird.

Die Herausforderung besteht darin, dass viele benötigte Rohstoffe in biodiversitätsreichen Gebieten vorkommen, wie beispielsweise in tropischen Regenwäldern. Der Rohstoffabbau kann durch Habitatzerstörung, Degradierung und Fragmentierung die Biodiversität gefährden. Wasser- und Bodenverschmutzung bedrohen insbesondere Gebiete mit endemischer Flora und Fauna. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) engagiert sich für die Ziele der CBD und unterstützt Initiativen, die darauf abzielen, die Auswirkungen des Rohstoffabbaus auf die Biodiversität zu minimieren. Der Bergbauverband ICMM fördert Maßnahmen zur Minimierung dieser Auswirkungen und hat das Prinzip der Mitigationshierarchien entwickelt, um Eingriffe zu vermeiden, zu minimieren, zu sanieren und auszugleichen.

Insgesamt zeigen die Entwicklungen in der Lausitz, dass auch nach dem Ende des Bergbaus eine bemerkenswerte Biodiversität entstehen kann. Durch gezielte Rekultivierungsmaßnahmen und Naturschutzstrategien können wir nicht nur die Artenvielfalt erhalten, sondern auch neue Lebensräume schaffen, die für zukünftige Generationen von Bedeutung sind. Es bleibt zu hoffen, dass die Lektionen, die wir aus der Lausitz lernen, auch auf andere Regionen angewendet werden können, um die Biodiversität weltweit zu schützen.

Für weitere Informationen zu den Entwicklungen in der Lausitz können Sie die Quellen hier und hier nachlesen. Für globale Zusammenhänge und Biodiversitätsstrategien besuchen Sie bitte diese Seite.