Ab dem Wintersemester 2026/2027 wird an der Brandenburgisch-Technischen Universität Cottbus-Senftenberg ein ganz neuer Lehramtsstudiengang für die sorbisch/wendische Sprache eingerichtet. Dieser Schritt, der von der Landesregierung Brandenburg genehmigt wurde, stellt einen bedeutenden Fortschritt dar, um die niedersorbische Sprache, die von ungefähr 5.000 Menschen in der Lausitz gesprochen wird, zu fördern und zu bewahren. Oberbürgermeister Tobias Schick (SPD) beschreibt die Einführung des Bachelorstudiengangs für Grundschul-Lehramt als einen „wichtigen Meilenstein“ auf dem Weg zum Erhalt dieser einzigartigen Sprache, die seit etwa 1.500 Jahren in der Region angesiedelt ist und Teil ihrer kulturellen Identität ist. Laut rbb24 treffen sich Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) und Vertreter des Rates für sorbische/wendische Angelegenheiten, um diesen Fortschritt voranzutreiben.

Die Rolle des Witaj-Konzepts

Ein weiteres wichtiges Element, das den neuen Studiengang begleitet, ist das Witaj-Konzept, welches die Integration sorbischsprachiger Erziehung in Kitas fördert. Es ist besonders erfreulich, dass auch Kinder aus deutschsprachigen Familien in die Zweisprachigkeit eingebunden werden. In Cottbus bereits implementierte Witaj-Kitas, wie die „Villa Kunterbunt“ und „Mato Rizo“, tragen maßgeblich zur frühkindlichen Sprachförderung bei. Auch die Schulen in der Region reagieren auf diesen Bedarf: An der Lutki-Grundschule und am Niedersorbischen Gymnasium wird bereits bilingualer Unterricht angeboten. Das erfreut Schick, der die Bedeutung der frühkindlichen Sprachförderung zudem als Schlüssel zum Erhalt der Sorbisch/Wendischen Sprache hervorhebt, wie in Niederlausitz Aktuell berichtet wird.

Karrieremöglichkeiten durch Stipendien

Um junge Leute zu ermutigen, sich für diesen neuen Lehramtsstudiengang zu entscheiden, wird die Stadt Cottbus ab 2024 Stipendien in Höhe von 500 Euro monatlich für die Dauer von fünf Jahren anbieten. Eine Verpflichtung zur Tätigkeit als Lehrkraft mit Schwerpunkt Sorbisch/Wendisch in Cottbus nach dem Abschluss schafft Anreize für die Nachwuchsgewinnung. Die Bewerbungsfrist für die Stipendien endet jeweils am 30. September eines jeden Jahres – Details zu den Kriterien sollten bald auf der Website der Stadt verfügbar sein.

Der kulturelle Kontext

Der neue Studiengang zieht sich einher mit der breiteren Debatte um den Schutz von Minderheitensprachen in Deutschland. Seit Inkrafttreten der Charta zu Regional- und Minderheitensprachen im Jahr 1998 stehen neben sorbischen auch andere Sprachen unter Schutz, wie Plattdeutsch und Friesisch. Experten des Europarats heben die Notwendigkeit von mehr ausgebildeten Lehrkräften in diesen Sprachen hervor, um das kulturelle Erbe besser zu unterstützen. Der kulturelle Reichtum der Sorben in der Lausitz zeigt sich nicht nur in der Sprache, sondern auch in ihren Traditionen und Bräuchen, die seit Jahrhunderten gepflegt werden. Ministerpräsidenten der Länder Brandenburg und Sachsen haben sich bei Kanzler Friedrich Merz (CDU) für eine gemeinsame Finanzierung der Stiftung für das sorbische Volk starkgemacht, wie in Deutschlandfunk nachzulesen ist.

Die kommenden Jahre werden zeigen, wie dieser innovative Studiengang zur Stärkung der sorbischen Gemeinschaft und zur Sicherung der Sprachvielfalt in der Region beitragen kann. Der gesamte Prozess von der frühkindlichen Förderung bis zu den Lehramtsstudiengängen verspricht viel – und wer weiß, vielleicht spricht bald ein ganz neuer Generation von Lehrkräften Sorbisch und gestaltet die Zukunft dieser schönen Sprache.