In Cottbus wird am 7. März ein bedeutender Schritt in der Erinnerungskultur unternommen: Vier neue Stolpersteine werden verlegt, um die Opfer des Nationalsozialismus zu ehren. Mit diesen neuen Steinen wird die Zahl der Stolpersteine in Cottbus auf insgesamt 103 anwachsen, die seit 2006 Teil des Stadtbildes sind. Die Bürger sind herzlich eingeladen, an der Verlegung teilzunehmen und damit ein Zeichen des Gedenkens zu setzen. Der 100. Stolperstein wird um 11:30 Uhr vor dem Haus Friedrich-Ludwig-Jahn-Str. 13 verlegt und erinnert an den Ingenieur Eugen Heilbrun, der seit 1902 in Cottbus lebte.

Eugen Heilbrun war mit der Protestantin Gertrud Koppe verheiratet und beantragte im Februar 1936 das vorläufige Reichsbürgerrecht, nachdem seine jüdische Abstammung festgestellt wurde. Sein Schicksal war tragisch: Im Oktober 1936 wurde er wegen der Beschäftigung einer „arischen“ Hausangestellten verurteilt und erhielt eine Haftstrafe, die jedoch im Berufungsverfahren ausgesetzt wurde. Die Geldstrafe wurde jedoch erhöht. Im November 1941 wurde Heilbrun ins Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert, wo er am 12. März 1942 starb.

Erinnerung an die Familie Kaczka

Um 11:40 Uhr werden drei weitere Stolpersteine vor dem Haus Klosterstr. 25 für die Familie Kaczka verlegt. Diese Familie lebte seit 1919 in Cottbus und hatte fünf Kinder. Fischel Kaczka verdiente seinen Lebensunterhalt mit einer Rohproduktenhandlung. Tragischerweise wurden die Eltern, Fischel und Malka Ides Kaczka, Ende Oktober 1938 an die polnische Grenze deportiert. Sie flüchteten zunächst nach Poznan und gelangten 1940 ins Ghetto Lodz, wo sie vermutlich ermordet wurden. Ihr Sohn Gustav, der bereits vor 1938 in einer Heilanstalt war, wurde 1941 ins Jüdische Krankenhaus in Berlin verlegt und 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Die Stolpersteine sind eine Kunst-Aktion des Kölner Künstlers Gunter Demnig, die zur Erinnerung an verhaftete, deportierte und ermordete Menschen ins Leben gerufen wurde. Sie werden vor dem letzten freiwilligen Wohnort der Opfer verlegt. Ein Stolperstein kostet 120 Euro, und die Verlegung wird durch Spenden von Privatpersonen, Firmen, Vereinen und Organisationen ermöglicht. Interessierte können ihre Spenden an den Heimatverein Cottbus e.V. unter dem Stichwort „Stolpersteine“ senden. Die IBAN lautet DE32 1805 0000 3000 0609 60.

Ein größeres Netzwerk zur Erinnerung

Seit 2020 wird zudem eine Datenbank für alle verlegten und künftig verlegten Stolpersteine in Europa erstellt. Diese soll eine umfassende Auflistung von Inschriften, Fotos der Stolpersteine, Biografien und Dokumente der Zeitgeschichte bieten. Die Datenbank wird kostenlos und barrierefrei nutzbar sein und soll bis spätestens Frühjahr 2025 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Online-Funktionalität ermöglicht es, Stolpersteine über eine Karte und Suchfunktionen nach Kategorien zu finden. Dabei werden die EU-Datenschutzrichtlinien berücksichtigt, um die Persönlichkeitsrechte der Angehörigen zu wahren. Fragen zur Datenbank können über die bereitgestellten Kontaktinformationen geklärt werden.

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Stolpersteine sind inzwischen das größte dezentrale Denkmal der Welt. Bis Juni 2023 wurden über 100.000 Stolpersteine verlegt, die nicht nur jüdisische Opfer des Holocaust, sondern auch Sinti, Romani, Polen, Homosexuelle, Menschen mit Behinderungen, Zeugen Jehovas und verschiedene politische Dissidenten gedenken. Das Projekt, das 1992 von Gunter Demnig initiiert wurde, hat sich in ganz Europa verbreitet und wird von vielen Gemeinden und Schulen unterstützt. Durch das Entdecken der Stolpersteine wird die Erinnerung an die dunkle Vergangenheit lebendig gehalten und bleibt Teil des öffentlichen Bewusstseins.

In Cottbus wird am 7. März ein weiteres Kapitel dieser wichtigen Erinnerungskultur aufgeschlagen, das die Geschichte der Opfer des Nationalsozialismus in den Fokus rückt und die Bürger dazu aufruft, sich aktiv mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen. Weitere Informationen zur Verlegung der Stolpersteine sind unter diesem Link zu finden.