In den dunklen Tagen des Zweiten Weltkriegs nahm das grauenvolle Verbrechen des S-Bahn-Mörders seinen Lauf. Zwischen 1939 und 1941 terrorisierte Paul Ogorzow, ein 28-jähriger Angestellter der Deutschen Reichsbahn, vor allem alleinreisende Frauen, die in der S-Bahn zwischen Berlin und Erkner unterwegs waren. Die ersten Mordfälle tauchten schließlich im Herbst 1940 auf und verbreiteten Schrecken in der Bevölkerung. Laut Berlin Live geschah der erste dokumentierte Mord an Gerda Ditter, deren Leiche am 4. Oktober 1940 in ihrer eigenen Küche gefunden wurde.
Die Ermittlungen stießen schnell auf erhebliche Schwierigkeiten. Ein festes Schema erkannte die Polizei nicht und die Öffentlichkeit wusste kaum um die Gefahr, die von Ogorzow ausging. Hinweise und Warnungen blieben in der Dunkelheit der politischen Censorship unter dem Nazi-Regime verborgen, das versuchte, die Verbrechen zu verheimlichen und stattdessen Schuldige unter ausländischen Arbeitern und Juden zu suchen.
Eine Serie brutaler Übergriffe
Insgesamt werden Ogorzow acht Morde, sechs Mordversuche und mehrere Dutzend Vergewaltigungen zugeordnet. Am 3. Dezember 1940 wurden die Opfer Elfriede Franke und Irmgard Freese gefunden, die beide Opfer brutaler Angriffe innerhalb von nur wenigen Stunden wurden. Irmgard überlebte vorerst den Angriff, succumbed aber später ihren schweren Verletzungen im Krankenhaus. An beiden Tatorten, mitten in Berlin-Lichtenberg, entstand ein Bedürfnis nach mehr Sicherheit, doch die Polizei fand diesmal keine schlüssigen Lösungen.
Die Übergriffe häuften sich, Ogorzow, der die wartenden Züge und verwaisten Bahnhöfe während der Kriegsblackouts ausnutzte, wurde schnell als der S-Bahn-Mörder bekannt. Ein besonders starkes Augenmerk lag auf seiner Beschreibung: Er trug eine Uniform, wie viele der Eisenbahner zur damaligen Zeit. Zwei Überlebende, Gerda Kargoll und Elisabeth Bendorf, ließen sich auf die Ermittlungen ein und lieferten wertvolle Hinweise zur Täterbeschreibung.
Der Fall und seine Folgen
Die Probleme in der Ermittlung lagen nicht nur an Ogorzows Raffinesse, sondern auch an den Herausforderungen, die der NS-Staat der Polizei aufbürdete. Ermittler wie Kommissar Lüdtke haben enorme Mühe, die grausamen Taten zu verfolgen und liefen gegen eine Mauer des Schweigens. Durch die Medienzensur war die Bevölkerung unwissend über das, was in den Zügen und auf den Bahnschienen Berlins echt geschehen war. Ogorzows letzte Taten fanden im Juli 1941 ihren Höhepunkt, als er seine letzte bekannte Opfer, Frieda Koziol, ermordete.
Schließlich wurde Ogorzow am 12. Juli 1941 festgenommen und gestand unter dem Druck der Ermittler seine Verbrechen. Trotz seiner Versuche, seine Taten auf Alkoholismus und angeblichen Einfluss eines jüdischen Arztes zurückzuführen, wurde er am 24. Juli 1941 zum Tode verurteilt, und nur zwei Tage später verstarb er durch die Guillotine im Berliner Plötzensee-Gefängnis.
Die Vergehen in der NS-Zeit sind Teil eines größeren Puzzles historischer Justizuntersuchungen. Laut dem Institut für Zeitgeschichte gibt es umfangreiche Recherchedatenbanken über die NS-Verbrechen, die nach Opfer- und Tätergruppen sowie Tatorten katalogisiert sind. Diese ermöglichen Wissenschaftlern und Interessierten einen Einblick in die tiefen Abgründe dieser Ära.
Die schreckliche Geschichte des S-Bahn-Mörders und die Unzulänglichkeiten der Ermittlungen zur damaligen Zeit bleiben nicht nur ein dunkles Kapitel für Berlin, sondern auch ein Mahnmal, wie das Unrecht unter einem repressiven Regime gedeihen kann. Weitere Details und eine tiefere Analyse der blutigen Taten sowie deren Auswirkungen auf die Gesellschaft wird im nächsten Teil dieser Serie beleuchtet.