Architektur der DDR: Wie Wolf Eisentraut den Plattenbau prägte

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Erkner, ein Zentrum architektonischer Forschung, beleuchtet das Erbe der DDR-Bauakademie und die Werke von Wolf R. Eisentraut.

Erkner, ein Zentrum architektonischer Forschung, beleuchtet das Erbe der DDR-Bauakademie und die Werke von Wolf R. Eisentraut.
Erkner, ein Zentrum architektonischer Forschung, beleuchtet das Erbe der DDR-Bauakademie und die Werke von Wolf R. Eisentraut.

Architektur der DDR: Wie Wolf Eisentraut den Plattenbau prägte

Was denkt man beim Wort „Plattenbau“? Manche sehen nur graue Blöcke, doch die Architektur der DDR hat viel mehr zu bieten. Heute, am 26. November 2025, beleuchten wir das Erbe der DDR-Bauakademie, die 1951 gegründet wurde und bis zu 4.300 Mitarbeiter zählte. Diese Institution war nicht nur ein Katalysator für den Wohnungsbau, sondern auch ein Ort der kreativen Auseinandersetzung mit der Sozialarchitektur der Zeit.

Ein besonders herausragender Vertreter dieser Ära ist Wolf R. Eisentraut, der als „Meister der individuellen Platte“ gilt. Seine bedeutendsten Werke, darunter das heute unter Denkmalschutz stehende Rathaus Marzahn, stehen exemplarisch für die Fortschritte und Herausforderungen der DDR-Architektur. Eisentraut war es auch, der an der Wohnungsbauserie 70 (WBS 70) mitwirkte, die darauf abzielte, bis 1990 drei Millionen neue Wohnungen zu schaffen. Dies war der flexibelste Plattenbautyp im DDR-Wohnungsbau, der den Bedürfnissen der Menschen durch anpassbare Wohnkonzepte gerecht wurde.

Erinnerungen an die Bauakademie

Dieses faszinierende Kapitel unserer Geschichte wird nun durch ein Forschungsprojekt des Leibniz-Instituts für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) und der Bundesstiftung Bauakademie untersucht. Ziel ist es, die Erfahrungen der Bauakademie-Mitglieder zu dokumentieren und deren Relevanz für die heutige Stadtplanung aufzuzeigen. Eisentraut kritisiert, dass nach der Wende viele seiner Bauten abgerissen wurden, darunter auch das Foyer des Palastes der Republik und 15 Gastronomiebetriebe. Die Bauakademie-Mitglieder haben eine differenzierte Sicht auf die Entwicklungen ihrer Zeit und unterstützen nun, nach dem Mauerfall, das Bewahren künstlerischer Errungenschaften.
Die Interviewfassungen mit Zeitzeugen sind auf der Webseite der Bundesstiftung Bauakademie einsehbar und bieten spannende Einblicke in das Wirken der Architekten und Stadtplaner.

Die Architektur der DDR war nicht nur funktional, sondern auch ein Ausdruck von Identität. In den 1980er-Jahren engagierten sich Mitglieder der Bauakademie für den Erhalt von Altbauten und kämpften gegen deren Abriss. In dieser Zeit war Eisentrauts Ansatz revolutionär; er wollte durch den Rückbau von Plattenbauten verhindern, dass Mieter aus ihren Wohnungen verdrängt wurden.

Ein legendärer Architekt

Wolf Rüdiger Eisentraut, geboren am 1. Dezember 1943 in Chemnitz, studierte Architektur an der Technischen Universität Dresden. Er hat viele prägende Projekte in der DDR und darüber hinaus entworfen, darunter Kaufhallen, Bibliotheken und die Körperbehindertenschule in Lichtenberg. Auch während seiner Zeit bei der Deutschen Bauakademie, wo er ab 1968 in der Experimentalwerkstatt arbeitete, entwickelte er sich zu einem gefragten Architekten, der nicht nur nach den strengen Vorgaben, sondern auch im Sinne der Lebensqualität der Bewohner handelte. Seine kritische Haltung zu den Abrissen nach der Wende führt zur Frage, wie wir heute mit unserem architektonischen Erbe umgehen wollen.

Wie sieht es also mit der Architektur der DDR aus? Eine facettenreiche und oft kritisch hinterfragte Geschichte, die mehr ist als nur „graue Blöcke“. Sie ist ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Veränderungen und strebt danach, auch in der heutigen Stadtgestaltung einen Platz zu finden. Wer sich für diesen spannenden Teil unserer Kulturgeschichte interessiert, findet auf den Seiten von Bundeszentrale für politische Bildung weiterführende Informationen und interessante Beiträge zur Architektur ebenso wie zur städtebaulichen Entwicklung in der DDR und den Einfluss im heutigen Brandenburg.