Heute ist der 1.04.2026. In Eisenhüttenstadt hat die Montage neuer Gedenktafeln auf dem Platz des Gedenkens begonnen. Diese Tafeln erinnern an die tragischen Schicksale von 4000 Toten, die im Lager Stalag III B in Fürstenberg ihr Leben verloren. Am 31. März 2026, um 14:54 Uhr, wurde die erste von insgesamt 22 Gedenktafeln auf der Betonmauer hinter dem sowjetischen Obelisken befestigt. Ein Mobilkran kam zum Einsatz, um die mehreren Tonnen schweren Granitplatten zu montieren. Bislang bleibt unklar, wann die weiteren Tafeln folgen werden. Für mehr Informationen zu diesem Thema, besuchen Sie die Quelle hier.
Die Geschichte des Stalag III B
Das Stalag III B, das im September 1939 von der Wehrmacht in Fürstenberg (Oder) eingerichtet wurde, war während des Zweiten Weltkriegs eines von drei zentralen Kriegsgefangenenlagern in Brandenburg. Bis zum Sommer 1940 entstanden dort vierzig Gefangenenbaracken, die Platz für bis zu zehntausend Personen boten. Das Lager war vor allem für Mannschaftssoldaten und Unteroffiziere ausgelegt, auch Offiziere der Roten Armee wurden dort intern gehalten.
Die Gefangenen waren nach Nationalitäten in verschiedene Teillager untergliedert und stammten hauptsächlich aus Polen, Frankreich, Jugoslawien, der Sowjetunion, den USA und Italien. Über eintausend Arbeitskommandos waren im Lager aktiv, was bedeutete, dass mehr als dreißigtausend Gefangene in der Region arbeiten mussten. Die Arbeitskraft der Kriegsgefangenen wurde in der Landwirtschaft und in Braunkohlegruben ausgenutzt, um die Rüstungswirtschaft zu unterstützen. Bis zu zweitausend Gefangene waren in Fürstenberg beschäftigt, um die Rüstungsindustrie auszubauen, insbesondere für Unternehmen wie IG Farben und Rheinmetall-Borsig.
Das Erbe der Gefangenen
Die Sterblichkeit unter den sowjetischen Kriegsgefangenen war erschreckend hoch; über viertausend von ihnen starben bis Kriegsende. Ideologisch „untragbare“ Gefangene, insbesondere Juden, wurden von der Gestapo ermordet. Alfred Jung, ein deutscher Sanitäter, der sich um die Gefangenen kümmerte, wurde 1944 von der Gestapo hingerichtet, nachdem er Hilfsaktionen durchgeführt hatte.
Ende Januar 1945 wurde das Lager evakuiert. Berichte von amerikanischen Gefangenen beschreiben Erschießungen während des Marsches. Nach der Besetzung durch die Rote Armee im April 1945 wurde das Lager als Sammelstelle für deutsche Kriegsgefangene genutzt. In den darauffolgenden Jahren wurden die Baracken weitgehend abgerissen, um Materialien für den Wiederaufbau zu gewinnen, und 1950 wurde die Region zum Standort eines zentralen Eisenhüttenwerks der DDR bestimmt.
Erinnerung und Vergessen
Die Erinnerung an das Stalag III B wurde in der Öffentlichkeit lange Zeit verdrängt. In den 1960er Jahren begannen zwar Nachforschungen über das Lager, doch diese wurden von offizieller Seite weitgehend ignoriert. Erst 1997 wurde das Thema im Deutschen Historischen Museum behandelt und 2003 fand eine Sonderausstellung im Städtischen Museum Eisenhüttenstadt statt, die sich mit der Geschichte des Lagers und den Lebensverhältnissen der Gefangenen befasste. Archäologische Untersuchungen auf dem ehemaligen Lagergelände im Jahr 2000 förderten zahlreiche Fundstücke zutage, die neue Einblicke in den Alltag der Gefangenen bieten.
Die neuen Gedenktafeln sind ein wichtiger Schritt, um die Erinnerung an die Opfer des Stalag III B wachzuhalten und die Geschichte, die oft in den Schatten der Vergangenheit gerückt wurde, wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Für weitere Informationen zu den Gedenktafeln und deren Bedeutung, klicken Sie hier.



