Am vergangenen Januarabend, der von Kälte und Glätte geprägt war, erlebten die Besucher des Multikulturellen Centrums Templin (MKC) eine emotionale und tiefgründige Aufführung der Revue „Verschwundene Sterne“, präsentiert vom Casanova Society Orchestra. Diese Veranstaltung stand ganz im Zeichen der Melodien der Goldenen Zwanziger und wurde von Tom van Hasselt, dem musikalischen Leiter der Uckermärkischen Bühnen Schwedt, in Zusammenarbeit mit Andreas Holzmann, der das Konzept und die musikalische Leitung übernahm, gestaltet. Die Revue thematisierte nicht nur die zeitlosen Lieder wie „Veronika, der Lenz ist da“ und „Mein kleiner grüner Kaktus“, sondern auch die oft tragischen Schicksale der Komponisten und Textdichter, viele von ihnen aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht.
Holzmann, der durch den Abend führte, wurde dabei vom Casanova Society Orchestra unterstützt. Die Darbietung bot eine gelungene Mischung aus Leichtigkeit und Ernst. Während der Veranstaltung wurden die Zuschauer mit Nonsens-Schlagern unterhalten, aber auch mit den bewegenden biografischen Hintergründen der Künstler konfrontiert. Besonders eindrücklich war die emotionale Aufführung des Buchenwaldliedes durch Holzmann, das die Schrecken des Holocaust in den Vordergrund rückte. Diese Revue fand anlässlich des Holocaust-Gedenktages statt, der an den 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz erinnerte.
Ein Gedenken an die Vergangenheit
Der Holocaust-Gedenktag, international bekannt seit 2005, wird am 27. Januar begangen und ist ein zentrales Element der deutschen Erinnerungskultur. An diesem Tag wird nicht nur der Opfer des Nationalsozialismus gedacht, sondern auch die Bedeutung der Erinnerung an die NS-Verbrechen hervorgehoben. Bundeskanzler Olaf Scholz forderte in diesem Zusammenhang verstärkte Bemühungen um die Erinnerung an den Völkermord an den Juden und betonte die Notwendigkeit von verpflichtenden Gedenkstättenbesuchen für Schüler. Diese Maßnahmen sind besonders wichtig, da die Zahl der Zeitzeugen kontinuierlich sinkt.
Bei der Gedenkfeier in Auschwitz-Birkenau nahmen neben Scholz auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Vizekanzler Robert Habeck teil. Holocaust-Überlebende wie Margot Friedländer appellierten an die junge Generation, sich aktiv gegen Hass einzusetzen. Historiker und Publizisten, wie Michel Friedman, wiesen darauf hin, dass Judenhass keine deutsche Erfindung sei, jedoch Auschwitz ein deutsches Symbol der nationalsozialistischen Judenverfolgung darstellt. Die Diskussion über die Erinnerungskultur ist in Deutschland von verschiedenen Perspektiven geprägt, insbesondere angesichts des Anstiegs antisemitischer Übergriffe seit dem 7. Oktober 2023.
Die Bedeutung der Erinnerungskultur
In Deutschland stehen über 300 Gedenkstätten und NS-Dokumentationszentren zur Verfügung, die eine wichtige Rolle im Geschichtsunterricht einnehmen. Schüler und Schülerinnen lernen über den Nationalsozialismus und besuchen Gedenkstätten, um die Schrecken der Vergangenheit nicht zu vergessen. Dennoch wird die Erinnerungskultur von rechtsextremen und rechtspopulistischen Gruppen angefeindet. Führende Stimmen wie Jens Christian Wagner, der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, betonen die Notwendigkeit, die Geschichte nicht zu vergessen und sich gegen das Vergessen zu stemmen.
Die Revue „Verschwundene Sterne“ ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Verbindung von Kunst und Erinnerung. Sie zeigt, wie Musik und Biografien der Künstler dazu beitragen können, die Geschichte lebendig zu halten und gleichzeitig auf die dunklen Kapitel der Vergangenheit hinzuweisen. Diese Art von Gedenken ist entscheidend, um die Lehren aus der Geschichte zu bewahren und eine Zukunft zu gestalten, die von Toleranz und Respekt geprägt ist.
Für weitere Informationen zu den Themen des Holocaust-Gedenktages und der Erinnerungsarbeit in Deutschland, siehe Nordkurier, Evangelisch.de und DW.