Der jüdische Friedhof in Templin ist erneut ins Visier von Vandalen geraten. Am vergangenen Sonntag entdeckte eine Streifenwagenbesatzung Schmierereien am Zaun des Friedhofs. Diese wurden mit einem weißen Permanent-Marker hinterlassen, wobei der genaue Täter und das Motiv bislang unklar bleiben. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet die Bevölkerung um Mithilfe. Zeugen können sich unter der Telefonnummer 03984 350 bei der Inspektion Uckermark melden, um Hinweise zu geben. Diese besondere Aufmerksamkeit auf den Friedhof lässt auch darauf schließen, dass die Sicherheit dieses historischen Ortes gewahrt werden soll, nachdem er bereits mehrfach Ziel von Schmierereien war, wie der Nordkurier berichtet.

In der Vergangenheit hatte der Friedhof bereits mit schlimmeren Vorfällen zu kämpfen. Im Februar 2024 wurden dort gleich zwei Hakenkreuze entdeckt – eines am Metallzaun und eines am Betonsockel, während auch ein Gedenkstein beschädigt wurde. Der polizeiliche Staatsschutz ermitteltes wegen des Verwendens verfassungswidriger Kennzeichen und gemeinschaftlicher Sachbeschädigung. Das städtische Ordnungsamt wurde umgehend eingeschaltet, und der Wirtschaftshof erhielt den Auftrag, die Schmierereien zu beseitigen. Das Moz dokumentiert diesen Anstieg an Gewalttaten und Schmierereien an einem Ort, der für viele Templiner von großer Bedeutung ist.

Zunahme von Antisemitismus in Brandenburg

Die Vorfälle am Templiner Friedhof sind nicht isoliert. Der Antisemitismus in Brandenburg zeigt zunehmend offensivere Züge. Laut einem aktuellen Monitoringbericht, den die Fachstelle Antisemitismus in Potsdam präsentiert hat, wurden im Jahr 2024 in Brandenburg bemerkenswerte 484 antisemitische Vorfälle dokumentiert – ein Anstieg um 28,4 % im Vergleich zum Vorjahr. Ministerin Kathrin Schneider hebt hervor, dass diese Problematik nicht nur online, sondern auch im Alltag sichtbar geworden ist. Vorfälle finden auch in Schulen, Gedenkstätten und auf der Straße statt. Die alarmierenden Zahlen zeigen, wie notwendig präventive Maßnahmen sind. Die Brandenburgische Landesregierung hat bereits reagiert, indem sie die Fachstelle Antisemitismus im Jahr 2019 einrichtete und Antisemitismus als Staatsziel in der Verfassung verankerte.

Andreas Büttner, seit Juni 2024 Antisemitismusbeauftragter des Landes Brandenburg, äußert große Besorgnis über die Zunahme antisemitischer Vorfälle. Vor allem die Aggressivität hat sich erhöht. Derviş Hızarcı von der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus warnt vor der zunehmenden Bedrohung, die von diesen Übergriffen ausgeht, und hebt hervor, wie wichtig es ist, derartige Taten entschlossen entgegenzutreten. Der Monitoringbericht zeigt zudem, dass Antisemitismus auch zunehmend in private Wohnumfelder dringt, was etwa durch Schmierereien und Einschüchterungen deutlich wird.

Um die Zahl solcher Vorfälle zu reduzieren, müssen wir alle gemeinsam gegen Antisemitismus eintreten. Städte und Gemeinden in Brandenburg stehen vor der Herausforderung, jüdisches Leben aktiv zu unterstützen und solchen Tendenzen entgegenzuwirken. Wiederholt werden besondere Maßnahmen gefordert, um die Präsenz von Antisemitismus in unserer Gesellschaft zu bekämpfen und die geschichtliche Verantwortung ernst zu nehmen.