In Brandenburg startet das bewegende Projekt „Erinnern und Anerkennen“ der Stephanus-Stiftung, das sich intensiv mit den leidvollen Erfahrungen von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen in DDR-Heimen auseinandersetzt. Das Hauptziel ist klar: Die oft vergessenen und verdrängten Erinnerungen der Betroffenen sichtbar zu machen und ihnen eine Stimme zu geben. Vorstandsvorsitzende Ellen Ueberschär unterstreicht dabei die Dringlichkeit, über diese leidvollen Erfahrungen zu sprechen und aufzuarbeiten. Geplant ist ein Zeitraum von Anfang 2025 bis Ende Juni 2026, in dem an insgesamt 14 Wohneinheiten in Berlin und Brandenburg, darunter auch der Waldhof Templin, gearbeitet wird. Die Förderung dieses wichtigen Projekts erfolgt durch die Erika Schwalbe-Riel Stiftung.

Ein besonderes Highlight ist die Filmvorführung „Vom Suchen und Finden“, die am 16. Januar in Berlin-Weißensee zu sehen sein wird. Filmemacher Andreas Wieland hat die Mutigen interviewt, die in den DDR-Heimen leben mussten und erzählt ihre Geschichten auf berührende Weise. Diese ehemaligen Heimkinder sind nicht nur die Protagonisten des Films, sondern aktiv am Set beteiligt, was den Prozess noch authentischer macht.

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Die Bedeutung des Erzählens

Im Waldhof begleitet die engagierte Manja Erdmann das Projekt. Sie setzt auf Erzählen, Theaterspielen und künstlerisches Gestalten, um die Biografiearbeit der Bewohner zu vertiefen. In einem geführten Erzählcafé unter der Leitung von Jörg-Uwe Krüger können die Teilnehmer ihre Erinnerungen teilen und in einem geschützten Rahmen verarbeiten. Die Theatergruppe stellt zudem die Geschichten aus der Vergangenheit nach, was den Teilnehmern hilft, ihre Erlebnisse zu reflektieren und zu verarbeiten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Kunsttherapie, die den Betroffenen ermöglicht, ihre Erinnerungen visuell darzustellen. Externe Kunsttherapeutin Santana Krause betont, wie wichtig es ist, einen stabilen und verlässlichen Rahmen für diese Arbeit zu schaffen. In Seminaren werden zudem Mitarbeiter geschult, um besser mit den oft traumatischen Erfahrungen der ehemaligen Heimkinder umgehen zu können.

Traumatische Erinnerungen aufarbeiten

Ein Blick auf die Vergangenheit zeigt, dass das Leben in DDR-Heimen für viele Kinder von Gewalt, Missbrauch und emotionalem Unrecht geprägt war. Rund eine halbe Million Heimkinder lebte in diesem System, und die Nachwirkungen sind bis heute deutlich spürbar. Diese Vergangenheit hat nicht nur individuelle, sondern auch intergenerationalen Einfluss auf die Familien der Betroffenen, wie eine Analyse zeigt. Viele ehemalige Heimkinder fühlen sich stigmatisiert und haben große Schwierigkeiten, ihre Erlebnisse zu verarbeiten und zu kommunizieren, was in vielen Fällen zu psychischen Problemen führt. Diese Umstände sind auch der Grund, weshalb die Aufarbeitung und das Sprechen über die Erfahrungen so wichtig ist, wie die bpb festgestellt hat.

Laut einer Studie vom MDR sind die Traumata, die die Heimkinder erlitten haben, oft der Anlass für lebenslange Schwierigkeiten im Umgang mit Vertrauen und Autorität. Viele Betroffene finden keinen Zugang zu hilfreichen Unterstützungsangeboten und spüren die Last ihrer Vergangenheit in unterschiedlichen Lebensbereichen bis hin zu Schwierigkeiten im Alltag. In Westdeutschland erlitten viele Heimkinder ähnliche Schicksale, was die Thematik bundesweit relevant macht und zeigt, wie wichtig es ist, sich mit dieser dunklen Zeit der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen.

Das Projekt „Erinnern und Anerkennen“ könnte ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sein, um den ehemaligen Heimkindern die verdiente Anerkennung und die Unterstützung zukommen zu lassen, die sie benötigen, um ihre schmerzhaften Erinnerungen zu verarbeiten und ihr Leben neu zu gestalten.