Am kommenden Wochenende, dem 1. Märzwochenende, wird in ganz Deutschland der 13. bundesweite „Tag der Archive“ gefeiert. In Prenzlau öffnet das Stadtarchiv am Samstag, den 7. März, von 11 bis 15 Uhr seine Türen im ehemaligen Dominikanerkloster. Das Motto des diesjährigen Aktionstags lautet „Alte Heimat – neue Heimat“ und wirft einen besonderen Blick auf das Schicksal der Russlanddeutschen, die 1929 aus der Sowjetunion flohen und in der Roten Kaserne in Prenzlau unterkamen. Ein bewegendes Kapitel deutscher Geschichte, das am Archivtag eindrucksvoll beleuchtet wird.

Besonders tragisch ist die Geschichte, die sich in dem Lager abspielte, in dem eine Masern-Epidemie ausbrach, die 66 Kindern und drei Erwachsenen das Leben kostete. Um der Opfer zu gedenken, erinnert ein Gedenkstein auf dem städtischen Friedhof an diese tragischen Ereignisse. Dr. Dieter Neuendorf, ein Forscher, der sich intensiv mit der Geschichte der Russlanddeutschen auseinandergesetzt hat, wird auf dem Archivtag Vorträge halten und seine gesammelten Fotos aus dem Prenzlauer Lager präsentieren. Neuendorfs Rechercheergebnisse sind zudem im Mitteilungsheft des Uckermärkischen Geschichtsvereins veröffentlicht.

Einblick in die Archive

Der „Tag der Archive“ ist eine Initiative des VdA – Verband deutscher Archivarinnen und Archivare und findet seit 2001 alle zwei Jahre statt. Jedes Mal steht ein spezifisches Motto im Vordergrund, das die Vielfalt archivischer Überlieferung widerspiegelt. Von Stadtarchiven über Staatsarchive bis hin zu Kirchen- und Adelsarchiven bieten die teilnehmenden Institutionen ein breites Spektrum an Veranstaltungen an, darunter Sonderführungen durch normalerweise unzugängliche Magazine, Ausstellungen von einzigartigen Originaldokumenten sowie Mitmach-Aktionen für Familien.

Die Stadtarchivbesucher dürfen sich auf Führungen durch das Archivmagazin freuen, die Einblicke in den Aktenbestand des Archivs gewähren, der bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Außerdem wird es eine „Stöberecke“ geben, in der private stadtgeschichtliche Sammlungen ergänzt werden können. Eine Schreibstube lädt dazu ein, die deutsche Schreibschrift zu üben, die seit 1941 verboten ist. Der Uckermärkische Geschichtsverein zu Prenzlau e.V. öffnet am 7. März ebenfalls von 14 bis 17 Uhr seine Bibliothek und das Fotoarchiv, sodass Interessierte die Möglichkeit haben, in die Welt der Geschichte einzutauchen.

Gesellschaftliche Relevanz der Archive

Das Ziel des „Tags der Archive“ ist es, die Archive für die Öffentlichkeit zu öffnen und die verborgenen Schätze sowie die moderne Archivarbeit sichtbar zu machen. Es wird ein Blick auf die gesellschaftliche Relevanz der Archive geworfen und gleichzeitig eine Vernetzung zwischen Fachwelt, Forschung und interessierten Laien gefördert. Die Erfahrungen von Verfolgung und Leben in einer Diktatur, wie sie die Russlanddeutschen gemacht haben, sind Teil der gesamtdeutschen Erinnerungskultur. Über 2,4 Millionen Bundesbürger haben eine russlanddeutsche Migrationsgeschichte, doch das spezifisch russlanddeutsche Erbe ist oft kaum bekannt oder sichtbar.

Ein neuer Band möchte auf die Vielstimmigkeit der Erinnerungskultur in Deutschland aufmerksam machen und Perspektiven für zukünftige Erzählungen im postmigrantischen Deutschland des 21. Jahrhunderts aufzeigen. Der „Tag der Archive“ in Prenzlau ist somit nicht nur eine Gelegenheit, die eigene Stadtgeschichte zu erkunden, sondern auch ein Beitrag zur Förderung eines tieferen Verständnisses für die vielfältigen narrativen Strömungen in der deutschen Erinnerungskultur.

Für alle Interessierten ist der Eintritt an beiden Veranstaltungsorten frei. Nutzen Sie die Gelegenheit, um mehr über die bewegende Geschichte der Russlanddeutschen und die Schätze der Archivarbeit zu erfahren. Weitere Informationen finden Sie in der ausführlichen Berichterstattung unter Nordkurier sowie auf der offiziellen Seite des VdA.