Prenzlau entdeckt Erdwärme: 44 Grad aus 200 Millionen Jahren alten Urmeer!
Prenzlau startet 2027 mit Geothermie-Projekt zur umweltfreundlichen Fernwärmeversorgung aus 1 km Tiefe.

Prenzlau entdeckt Erdwärme: 44 Grad aus 200 Millionen Jahren alten Urmeer!
In Prenzlau tut sich was! Die Stadtwerke haben an einem Thermalwasser-Reservoir in fast einem Kilometer Tiefe angebohrt, das ab 2027 eine ganz neue Wärmequelle für die Stadt darstellen soll. Wie Focus berichtet, sollen bis zu 64 Prozent des städtischen Fernwärmebedarfs durch Geothermie gedeckt werden. Ein imposanter 40 Meter hoher Bohrturm informiert seit einigen Wochen über das Projekt, das die Stadt auf ein neues Level heben könnte.
Der Bohrkopf hat kürzlich in 93 Metern Tiefe die salzhaltige Sandsteinschicht eines rund 200 Millionen Jahre alten „Urmeers“ erreicht. Das geförderte Wasser hat eine Temperatur von 44 Grad Celsius. Doch damit nicht genug: Geplant ist eine Aufheizung auf 80 Grad Celsius durch Wärmepumpen, um das Wasser ins Fernwärmenetz einspeisen zu können. Mit beeindruckenden 130 Kubikmetern pro Stunde wird das warme Wasser gefördert, während das abgekühlte Wasser mit etwa 15 Grad zurück in die Tiefe fließt.
Ein Blick in die Vergangenheit
Das Geothermie-Projekt in Prenzlau ist kein frischer Wind, sondern hat eine Geschichte. Bereits in den 1980er-Jahren hatte man versucht, eine ähnliche Anlage zu betreiben, musste diese jedoch wegen technischer Probleme aufgeben. Heute zeigt sich die Stadt jedoch entschlossen, den nächsten Schritt in Richtung erneuerbare Energie zu gehen. Das Gesamtprojekt am Thomas-Müntzer-Platz soll 20,7 Millionen Euro kosten, wovon erfreulicherweise 8 Millionen Euro durch Bundesförderung gedeckt werden.
Um die Fernwärmeversorgung nachhaltiger zu gestalten, wird die Stadtwerke-Sparte derzeit hauptsächlich durch Erdgas gespeist, mit einer beachtlichen Quote von 82 Prozent. Ziel ist es, bis 2030 eine Wärmeversorgung auf Basis von 100 Prozent regenerativer Energie zu erreichen. Dazu soll die Geothermie einen wesentlichen Anteil leisten, indem die Quote auf 60 Prozent Geothermie und 20 Prozent aus einer Biogasanlage angehoben wird.
Hürden und Fortschritte
Aber nicht ohne Herausforderungen! Die Genehmigungsverfahren waren für die Stadtwerke ein echter Kampf. Wie auf der Website des Bundeswirtschaftsministeriums zu lesen ist, gibt es Bestrebungen, die rechtlichen Hürden abzubauen, um den Ausbau von Geothermieanlagen effektiver gestalten zu können. Insbesondere bei der tiefen Geothermie ab 400 Metern Bodentiefe sind Änderungen im Bergrecht, Wasserrecht und Naturschutzrecht vorgesehen, um die Abläufe zu vereinfachen.
In Prenzlau gibt es jedoch keinen Fernwärme-Anschlusszwang; die Stadt verfolgt das Ziel, die Zahl der angeschlossenen Gebäude von 3700 auf 5500 zu erhöhen. Ein Testlauf im Dezember wird zeigen, wie viel Wärme tatsächlich gefördert werden kann, und ob der lange Weg der Vorbereitungen sich gelohnt hat.
Das Potenzial der Geothermie
Mit einer unerschöpflichen Quelle von Erdwärme, die kaum CO2-Emissionen verursacht, könnte Prenzlau zum Vorreiter in der Nutzung der Geothermie werden. Laut dem Umweltbundesamt ist die tiefe Geothermie eine vielversprechende Technologie, die nicht nur die Wärmeversorgung sichert, sondern auch das Potential für Stromerzeugung birgt. Besonders die große Temperaturvariabilität und die Möglichkeit, ganzjährig umweltfreundlichen Strom zu liefern, machen diese Art der Energiegewinnung interessanter denn je.
Insgesamt könnte Prenzlau mit der Geothermie nicht nur die Weichen für eine nachhaltige Zukunft stellen, sondern auch einen wertvollen Beitrag zur Energiewende leisten. Die nächsten Schritte sind nun entscheidend. Wir sind gespannt und hoffen auf positive Ergebnisse beim Testlauf!