Liebeserklärung an Prenzlau: Strauß' neues Buch beleuchtet Ostkultur!
Simon Strauß reflektiert in „In der Nähe“ die Unterschiede zwischen Prenzlau und Prenzlauer Berg sowie die politische Kultur im Osten.

Liebeserklärung an Prenzlau: Strauß' neues Buch beleuchtet Ostkultur!
In Prenzlau, einer Stadt, die oft als Spiegelbild der Herausforderungen und Möglichkeiten im Osten Deutschlands gilt, fand kürzlich die Buchpremiere von Simon Strauß’ neuem Werk „In der Nähe“ statt. Der Auftritt wurde von vier Musikern aus Stegelitz mit einem ironischen Lied begleitet, das den Ton der Veranstaltung deutlich prägen sollte. Strauß’ Buch thematisiert nicht nur die Unterschiede zwischen Prenzlau und Prenzlauer Berg, sondern bietet auch einen tiefen Einblick in die soziale und politische Kultur der Region. Er kritisiert dabei die oft überheblichen Urteile Großstädter über das Leben in Kleinstädten, wie Nordkurier berichtet.
Strauß hat sich in den letzten zwei Jahren intensiv mit der Stadt und ihren Bewohnern auseinandergesetzt. Dabei hat er mit verschiedenen Menschen gesprochen, darunter eine Erzieherin, der Bürgermeister, ein Flüchtling und ein AfD-Politiker. Diese Gespräche flossen in seine Beobachtungen ein, die er als eine Art „politischen Selbsterfahrungstrip“ beschreibt, den er angetreten ist, nachdem er den Satz hörte: „Die Kommunen sind überlastet“ Philomag berichtet.
Ein Blick in die Vergangenheit
Besonders aufschlussreich war Strauß’ Erwähnung des Armaturenwerks Prenzlau (AWP), das vor der Wende ein bedeutender Arbeitgeber in der DDR war. Mit bis zu 1500 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 200 Millionen Mark gehörte das AWP zu den Pfeilern der lokalen Wirtschaft. Nach dem Fall der Mauer begab sich der technische Direktor Strotkötter auf die Suche nach westdeutschen Partnern, was jedoch nicht ganz unkompliziert war. Der Unmut über die Treuhand und die Konkurrenz aus dem Westen ist bis heute spürbar. 1992 übernahm Strauß’ Familie schließlich das AWP und hielt nur 35 Mitarbeiter Nordkurier.
Heute hat das AWP dank einer erneuten Übernahme durch die Söhne von Strotkötter und Mahnke wieder über 100 Beschäftigte und einen Jahresumsatz von etwa 26 Millionen Euro. Strauß’ Absicht ist es, das Bild der „Jammer-Ossis“ zu vermeiden und authentische Geschichten von Menschen, die sich aus schwierigen Lebenslagen herausgekämpft haben, zu erzählen.
Politische Landschaft und gesellschaftlicher Diskurs
In seinem Buch geht Strauß auch auf den Rechtsruck und die Demokratie in Deutschland ein. Symptome dieser Herausforderungen sind unter anderem die Wahlgewinne der AfD, die er in den gesellschaftlichen Diskurs einbezieht. Die politische Kultur im Osten sieht er als „gärtend“ – eine lebendige, erkennbare Auseinandersetzung, in der Verantwortung und Nähe zentrale Themen sind. Strauß fordert mehr Dialog und eine zivilisierte Streitkultur, um die gewonnenen Möglichkeiten zu nutzen, die der Osten bietet MDR berichtet.
Mit der Debatte um die DDR-Geschichte, die weiterhin polarisiert, zeigt sich, wie komplex das Verhältnis zwischen Ost und West nach 35 Jahren Mauerfall bleibt. Unterschiedliche Perspektiven über die Identität und das Erbe der DDR sind in Theateraufführungen, Ausstellungen und neuen Publikationen präsent. Simon Strauß ist Teil dieser Diskussion und bringt frischen Wind in das Thema, indem er persönliche Erlebnisse und lokale Geschichten erzählt, die über Klischees hinausgehen.
Sein Buch „In der Nähe“ erscheint 2025 im Klett-Cotta Verlag und wird mit Spannung erwartet. Es umfasst 240 Seiten und wird für 24 Euro erhältlich sein. Strauß, der mittlerweile fest in Prenzlau verwurzelt ist, will mit seiner Arbeit nicht nur informieren, sondern auch einen Beitrag zur Stärkung der regionalen Identität leisten.