Die jüngsten Überschwemmungen in Prenzlau, die nach einer Frostperiode auftraten, haben erneut die Notwendigkeit effektiver Gefahrenabwehrmaßnahmen deutlich gemacht. Ehrenamtliche Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren und des Technischen Hilfswerks (THW) sind rund um die Uhr im Einsatz, um der drohenden Gefahr entgegenzuwirken. In diesem Kontext fordert die CDU-Stadtfraktion von Bürgermeister Marek Wöller-Beetz einen Bericht über die aktuelle Situation der Gefahrenabwehr in der Stadt. Der Gefahrenabwehrplan 2023 hat bereits Defizite in der Löschwasserversorgung, der Tagesverfügbarkeit von Feuerwehrkräften und dem Technikbestand aufgezeigt.
Besonders die Löschwasserversorgung in Dedelow und Schönwerder ist derzeit gewährleistet, während Optimierungskosten in die Haushaltsplanung einfließen sollen. In Ewaldshof wurde im Jahr 2025 ein Löschwasserbrunnen gebohrt, während in Klinkow aufgrund hydrologischer Gegebenheiten keine Bohrung möglich ist. Hier laufen allerdings Verhandlungen über eine geeignete Fläche für eine Löschwasserzisterne. Die Tagesverfügbarkeit der Feuerwehrkräfte zeigt ein gemischtes Bild: In Dedelow und Güstow ist die Sollstärke erfüllt, während in Blindow, Dauer, Klinkow und Schönwerder diese nahezu erreicht ist. Die Prenzlauer Ortswehr hat mit 60 Kameraden eine Überdeckung von 136% der Mindeststärke, was eine positive Entwicklung darstellt.
Feuerwehr und Ausbildung
Die Alarmierung bei einem „Gebäudebrand/Kritischen Wohnungsbrand“ erfolgt zusätzlich mit dem Zug der Prenzlauer Ortswehr, um eine schnellstmögliche Reaktion zu gewährleisten. Zwischen 7 und 17 Uhr unterstützen nicht voll einsatzfähige Ortswehren ihre Nachbarn. Zudem wird an der Oberschule „Philipp Hackert“ Feuerwehrunterricht für die neunten und zehnten Klassen in Kooperation mit dem Landkreis angeboten. Dies soll das Bewusstsein für Brandschutz und Gefahrenabwehr frühzeitig fördern. Auch die Gründung einer Kinderfeuerwehr für 6- bis 9-Jährige im Jahr 2023 zeigt das Engagement für die Nachwuchsförderung. Im Jahr 2024 wird ein neues Transportfahrzeug für die Kinder- und Jugendfeuerwehr durch Sponsoring beschafft.
Eine weitere Investition in die Zukunft ist das neue Tanklöschfahrzeug TLF 4000, das bis zum dritten Quartal 2027 den Fuhrpark verstärken soll. Die Bestellung wurde am 19. Dezember 2025 in Auftrag gegeben. Umbaumaßnahmen an der Fahrzeughalle in Dedelow sollen im Februar abgeschlossen werden, und das neue Gerätehaus in Dauer wurde bereits 2024 an die Ortswehr übergeben. Alle aktiven Kameraden sind seit letztem Jahr mit spezieller Einsatzbekleidung ausgestattet, und die schrittweise Ausstattung der Ortswehren mit moderner Dienstbekleidung erfolgt auf Kosten der Stadt.
Löschwasserversorgung im Fokus
Die Löschwasserversorgung ist ein zentrales Element der Gefahrenabwehr. Eine neue Fachempfehlung des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV) und der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF Bund) hat Anforderungen an die Löschwasserversorgung aus Hydranten in öffentlichen Verkehrsflächen definiert. Diese Empfehlungen klären Unsicherheiten bei der Planung von Gebäuden und dem Trinkwasserschutz. So muss die Löschwasserversorgung für den ersten Löschangriff innerhalb von 75 Metern Lauflinie zum Grundstück sichergestellt sein, und Entnahmestellen mit einer Kapazität von 400 l/min sind akzeptabel, sofern die Löschwassermenge in einem Radius von 300 Metern aus maximal zwei Entnahmestellen bereitgestellt werden kann.
Außerdem dürfen Abstände von Hydranten in Ortsnetzen 150 Meter nicht überschreiten, wobei größere Abstände durch andere Entnahmestellen kompensiert werden müssen. Der Löschwasserbedarf für freistehende Bebauungen ist mit 800 l/min für bis zu drei Vollgeschosse angesetzt. Diese Maßnahmen sind besonders relevant für die Planung und den Schutz der Bevölkerung. Die Abstimmung zwischen Gemeinde und Wasserversorgungsunternehmen bezüglich der Ausführung und Kostenübernahme ist hierbei unerlässlich. Die neue Fachempfehlung ersetzt frühere Informationen und stellt einen wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung der Löschwasserversorgung dar.
Ein Blick auf die Geschichte des Löschdienstes
Doch der Löschdienst in Deutschland ist nicht nur ein aktuelles Thema; seine Wurzeln reichen tief in die Geschichte zurück. Bereits im Mittelalter wurden erste Feuerlöschordnungen erlassen, und Zünfte sowie Gilden waren für den Brandschutz in ihren Vierteln verantwortlich. Mit der Einführung von Feuerspritzen im 15. Jahrhundert wurde die Effektivität der Brandbekämpfung erheblich gesteigert. Im 19. Jahrhundert entstanden die ersten freiwilligen Feuerwehren, die sich als tragende Säule des deutschen Brandschutzes etablierten.
Heute sind die drei Säulen des Löschdienstes in Deutschland die Freiwilligen Feuerwehren, Berufsfeuerwehren und Werkfeuerwehren. Während die Freiwilligen Feuerwehren mit 97% die Mehrheit stellen und auf ehrenamtliche Mitglieder setzen, sind die Berufsfeuerwehren in größeren Städten als Beamte im Schichtdienst aktiv. Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, wie Klimawandel und demografischer Wandel, erfordern neue Ansätze und Technologien. Digitale Vernetzung, Drohneneinsatz zur Lageerkundung und umweltfreundliche Löschmittel sind einige der Trends, die die Zukunft des Löschdienstes prägen werden.
In diesem dynamischen Umfeld bleibt die kontinuierliche Weiterbildung und die Ausbildung für alle Feuerwehrangehörigen von größter Bedeutung. So wird die Feuerwehr nicht nur als Brandbekämpfer, sondern als komplexes System der öffentlichen Sicherheit und Gefahrenabwehr immer wichtiger.
Für weitere Informationen zur aktuellen Gefahrenabwehr in Prenzlau können Sie den Artikel im Nordkurier nachlesen. Die neuesten Fachempfehlungen zur Löschwasserversorgung sind auf der Webseite der Feuerwehr unter feuerwehr-ub.de verfügbar. Eine historische Einordnung bietet der Artikel auf vazur.de.