In Prenzlau, der charmanten Stadt im Herzen Brandenburgs, lebte über viele Jahrhunderte eine blühende jüdische Gemeinde. Die Geschichte dieser Gemeinschaft ist tief verwurzelt in der Stadt, und sie erzählt von einem reichen, aber auch tragischen Erbe. Prenzlau hatte in seiner Geschichte zwei jüdische Friedhöfe, von denen der erste im heutigen Stadtpark während der Reichspogromnacht 1938 zerstört wurde. Der zweite Friedhof, am Süßen Grund gelegen, ist jedoch erhalten geblieben und gilt als einer der schönsten und am besten erhaltenen jüdischen Friedhöfe in Brandenburg. Hier erzählen die Grabsteine von jüdischem Leben in Prenzlau und laden ein, der Zerstörung und dem Verlust nachzuspüren. Eine Stadtentdeckung verbindet beide Friedhöfe und zielt darauf ab, jüdisches Leben in Prenzlau sichtbar zu machen. Es handelt sich um einen Rundgang des Erinnerns, des Innehaltens und des Hinschauens, der die Geschichte lebendig werden lässt (Source 1).
Die Spuren jüdischen Lebens in Prenzlau reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. So wurde 1309 erstmals urkundlich von Juden in Prenzlau berichtet, und 1321 existierte bereits ein „Joden Dorpe“ innerhalb der Stadtmauern. Trotz der späteren Einschränkungen, die Juden in der Mark Brandenburg nach 1571 betrafen, blühte die jüdische Gemeinde in Prenzlau auf. 1671 erlaubte Friedrich Wilhelm von Brandenburg die Ansiedlung von 50 jüdischen Familien, was zur Wiedergründung einer jüdischen Gemeinde im Jahr 1698 führte. Diese Gemeinde entwickelte sich weiter, errichtete 1752 eine Synagoge und konnte bis 1934 auf einen eigenen Rabbiner zurückblicken. Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Prenzlau ist somit eine Geschichte von Resilienz und kultureller Identität, auch wenn sie von dunklen Zeiten überschattet wurde (Source 2).
Die Rolle der jüdischen Friedhöfe
Jüdische Friedhöfe sind nicht nur Orte des Gedenkens, sondern auch bedeutende Zeugnisse der Sepulkralkultur in Deutschland. In Deutschland sind etwa 2.400 jüdische Friedhöfe seit dem 11. Jahrhundert erhalten geblieben, und dennoch haben sie bislang nicht die nötige Aufmerksamkeit als religiös-kulturelle Orte der Erinnerung erhalten. Ein neues Forschungsprojekt namens „Steinerne Zeugen digital“, das von der Universität Bamberg und dem Steinheim-Institut der Universität Duisburg-Essen getragen wird, hat sich nun zum Ziel gesetzt, diese Forschungslücke zu schließen. Es wird unterstützt von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste und ist Teil des von Bund und Ländern geförderten Akademienprogramms 2023 (Source 3).
Das Projekt zielt darauf ab, 35 Friedhöfe, 33.600 Grabmale und über 19.000 Inschriften aus der Frühen Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert zu dokumentieren. Interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Judaistik, digitalen Denkmaltechnologien und Bauforschung soll die letzten Ruhestätten der jüdischen Gemeinschaft als Zeugen eines jahrhundertelangen Miteinanders erschließen. Die Ergebnisse werden als digitales Text- und Bildcorpus veröffentlicht, um die kulturelle Bedeutung dieser Orte zu unterstreichen.
Die jüdisischen Friedhöfe in Prenzlau sind daher nicht nur Erinnerungsorte, sondern auch Teil eines größeren Gefüges, das die Identität und Geschichte der Stadt prägt. Sie laden dazu ein, die Erinnerung an eine reiche, aber auch leidvolle Vergangenheit lebendig zu halten und zukünftigen Generationen zu vermitteln.