In der Gemeinde Plattenburg, genauer gesagt im Ort Krampfer, hat ein Patient am Samstagmittag mit juckenden Augen zu kämpfen. Um sich zu helfen, wählt er den Weg zur nächsten Apotheke, die im Notdienst verfügbar ist. Die drei zur Auswahl stehenden Apotheken sind in Bad Wilsnack, Pritzwalk und Lenzen. Während Bad Wilsnack und Pritzwalk jeweils 15 Kilometer entfernt sind, liegt Lenzen mit 35 Kilometern deutlich weiter weg. Diese Situation wird ab dem 1. März 2024 durch eine neue Regelung für Apotheken-Notdienste in Brandenburg komplizierter, die einen 20-Tage-Rhythmus einführt.

Der bisherige Rhythmus von 13 Tagen, der zur Gerechtigkeit unter den Apothekern beitragen sollte, wird durch die neue Regelung ersetzt, die den Radius der Notdienste vergrößern soll. Christian Richter, Betreiber der Stadt-Apotheke Bad Wilsnack, äußert Bedenken bezüglich dieser Änderungen, insbesondere für nicht mobile Patienten, die auf eine schnelle Hilfe angewiesen sind. Er macht darauf aufmerksam, dass der Notdienst für Apotheker oft ein Zuschussgeschäft ist und fordert eine Erhöhung des Notdienstfonds, um die finanziellen Herausforderungen zu bewältigen.

Herausforderungen und Anpassungen

Jan-Christoph Grimm, Apotheker der Nordapotheke Pritzwalk, bestätigt die steigenden Kosten und die unzureichenden Honoraranpassungen, die durch die neue Regelung verstärkt werden könnten. Während Richter den Notdienst selbst übernimmt, organisiert Grimm die Einteilung seiner Mitarbeiter. Der Einzugsbereich von Richters Apotheke reicht bis nach Havelberg in Sachsen-Anhalt, was die Problematik der Erreichbarkeit für Patienten weiter verstärkt.

Alexander Roth, Inhaber der Adler Apotheke Lenzen, sieht die neue Regelung zwar positiv, erkennt jedoch die Herausforderungen, die sie für die Patienten mit sich bringen wird. Die Apothekenlandschaft in Brandenburg hat sich in den letzten Jahren stark verändert; im Jahr 2022 schlossen 47 Apotheken, und elf Orte verloren ihre einzige Apotheke. Jens Dobbert, Präsident der Landesapothekerkammer Brandenburg, erklärt, dass die neue Regelung eine Reaktion auf diese Veränderungen ist, mit dem Ziel, Ressourcen effizienter zu nutzen und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Die Suche nach Notfallapotheken

Um die nächstgelegene Notfallapotheke zu finden, können Patienten auf Aponet.de zurückgreifen, wo sie Ort oder Postleitzahl in ein Suchfeld eingeben können. Die Ergebnisse zeigen Apotheken in der Umgebung, jedoch ist zu beachten, dass die Datenbank nicht immer aktuell ist. Notdienste können kurzfristig ändern, daher sind die Angaben unverbindlich. In Städten hat etwa jede zehnte Apotheke nachts und an Feiertagen Notdienst, während in ländlichen Gebieten häufigere Dienstbereitschaft besteht.

Die gesetzlich festgelegten Notdienste unterliegen einem Kalender, der die Reihenfolge der diensthabenden Apotheken regelt. Patienten sollten auch wissen, dass eine Notdienstgebühr von 2,50 Euro anfallen kann, die von der Krankenkasse übernommen wird, wenn „noctu“ auf dem Rezept vermerkt ist. Notfälle sollten über die Rufnummer 112 gemeldet werden, während der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 erreichbar ist. Apotheker haben im Notdienst nur Zugriff auf ihr eigenes Lager, was die Verfügbarkeit von rezeptpflichtigen Präparaten einschränken kann.

Insgesamt zeigt sich, dass die Änderungen im Notdienstsystem sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringen. Die Apotheken stehen vor der Aufgabe, den Bedürfnissen der Patienten gerecht zu werden, während sie selbst unter finanziellen und strukturellen Druck geraten. Die Entwicklungen in der Apothekenlandschaft, die sich durch Schließungen und veränderte Versorgungsstrukturen auszeichnen, erfordern eine ständige Anpassung und Innovation, um die Gesundheitsversorgung für alle zu sichern. Mehr Informationen und die Möglichkeit zur Apothekensuche finden Sie auf Aponet.de.