Im malerischen Sport- und Vital-Resort Neuer Hennings Hof in Perleberg ist einiges im Gange. Das Hotel, idyllisch zwischen Feldern und Radwegen gelegen, zieht jährlich rund 50.000 Gäste an. Geschäftsführer Christian Langer hat jedoch mit einem ernsthaften Problem zu kämpfen: der Mangel an Auszubildenden im Gastgewerbe. Um dem entgegenzuwirken, setzt Langer auf eine Kooperation mit Vietnam, die vor allem vietnamesische Azubis in die Region bringt. Nordkurier berichtet, dass seit Beginn dieser Zusammenarbeit rund 30 Azubis aus Vietnam im Hennings Hof ausgebildet werden.
Die Gründe für den Berufemangel im Gastgewerbe sind vielschichtig. Unregelmäßige Arbeitszeiten und hoher Leistungsdruck schrecken viele potenzielle Bewerber ab. Etwa 134 Ausbildungsstellen stehen in der Prignitz leer, während sich nur wenige Jugendliche für diese Berufe interessieren. Interessanterweise zählt das Gastgewerbe nicht zu den beliebtesten Ausbildungsberufen, was die Situation zusätzlich erschwert.
Ein kultureller Austausch
Die Kooperation mit Vietnam entstand durch Bekannte und die Agentur „Avestos Firmenausbildungsverbund e. V.“. Der erste Besuch vietnamesischer Azubis fand bereits 2022 statt. Im Jahr 2023 reiste Langer nach Hanoi, um die Sprachschule zu besuchen, die die Auszubildenden auf ihre Zeit in Deutschland vorbereitet. Eindrücke aus Hanoi weckten bei Langer Erinnerungen an die DDR – sowohl die herzliche Aufnahme durch Schüler und Eltern als auch die Dynamik vor Ort beeindruckten ihn nachhaltig.
Einer der ersten vietnamesischen Azubis im Hennings Hof ist der 22-jährige Nguyen Duc Manh. Nachdem er seine Ausbildung in Restaurant- und Veranstaltungsgastronomie begonnen hatte, stand er gleich vor der ersten großen Hürde: der Sprachbarriere. Trotz eines vorherigen Sprachkurses war das Ankommen in Deutschland herausfordernd. Unterstützung erhielt er von seiner Familie sowie von Kollegen, die ihn bei der Integration halfen. Heute lebt Nguyen Duc Manh in einer vom Hennings Hof bereitgestellten Wohnung und ist festangestellt. Seine Zukunftspläne sind noch ungewiss, denn ob er in Deutschland bleibt oder nach Vietnam zurückkehrt, steht noch in den Sternen.
Schwierigkeiten und Risiken für vietnamesische Azubis
Doch nicht alle Erfahrungen vietnamesischer Azubis sind positiv. Laut Tagesschau kommen viele neue Auszubildende mit erheblichen Sprachproblemen nach Deutschland, trotz eines B1-Sprachzertifikats. An der Brillat-Savarin-Schule in Berlin-Weißensee ist etwa ein Drittel der vietnamesischen Azubis abwesend, was zu Überlastungen bei den Lehrern führt. Laut Gewerkschaft NGG gibt es mehr als 16.000 vietnamesische Azubis in Deutschland, doch die Anzahl steigt kontinuierlich.
Die Situation wird durch private Agenturen in Vietnam kompliziert, die oft falsche Versprechungen machen und bis zu 20.000 Euro für die Vermittlung verlangen. Viele Auszubildende verschulden sich stark, um die Kosten zu decken. Migrationsexpertin Mimi Vu spricht von einem „zwielichtigen Markt“, der mit organisiertem Verbrechen in Verbindung steht. Dies führt dazu, dass hochverschuldete Azubis ohne ausreichende Sprachkenntnisse gefährdet sind, ausgebeutet zu werden.
Berichte über widerrechtliche Verträge und schlechte Unterkünfte sind alarmierend. Das BKA hat bereits Hinweise zu diesen Vorfällen bestätigt. Vertreter der NGG warnen, dass zahlreiche Vermittlungsagenturen als „Schlepperorganisationen“ agieren und fordern mehr Kontrollen sowie offizielle Listen seriöser Anbieter. Ein Vorschlag lautet, dass die Vermittlung künftigen Azubis nur über die Bundesagentur für Arbeit erfolgen soll, um potenzielle Risiken zu minimieren.
Der Weg, den vietnamesische Azubis in Deutschland gehen, ist also gepflastert mit Herausforderungen, aber auch mit Chancen. Während der Hennings Hof durch die Integration dieser jungen Menschen profitiert, bleibt abzuwarten, wie sich die Situation für alle Beteiligten weiterentwickeln wird.