Die Schließung des Schlachthofs in Perleberg, Brandenburg, hat für die Region gravierende Folgen. Anfang Dezember 2025 wurden dort die letzten Schweine geschlachtet, was das Ende der letzten regionalen Schlachtmöglichkeit für Schweinemäster im nordöstlichen Deutschland bedeutete. Junglandwirt Carl Oevermann aus Mecklenburg-Vorpommern hatte gerade die passenden Schlachtgewichte seiner Tiere erreicht, als die Schlachtkette in Perleberg stillstand. Die anderen Schlachthöfe in der Umgebung hatten keine Kapazitäten mehr für Oevermanns Schweine, die nun seit Wochen im Stall stehen. Einige Tiere erreichen mittlerweile fast 180 kg, was 50 kg über dem optimalen Gewicht liegt. Aufgrund dieser Situation muss Oevermann seine Schweine nur zum Sauenpreis verkaufen, was zu erheblichen finanziellen Verlusten führt. Um einen Teil seiner Tiere zu retten, wurden einige per LKW nach Italien gebracht, wo sie für die Produktion von Parmaschinken verwendet werden sollen.

Ein NDR-Team besuchte Perleberg, um die Situation vor Ort zu beleuchten. Die örtlichen Politiker und Schweinehalter kritisieren die Schließung scharf. Bernd Cord-Kruse, ein Schweinemäster, äußerte: „Im Umkreis von 250 km haben wir keinen vergleichbar großen Schlachthof mehr.“ Für die Mäster aus Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Brandenburg gibt es nur noch die Tönnies-Standorte in Kellinghusen, Weißenfels oder Rheda-Wiedenbrück als größere Abnehmer. Einige Landwirte vermuten, dass die Premium Food Group hinter der Schließung in Perleberg steckt, was aktuell vom Bundeskartellamt auf mögliche Zusammenhänge geprüft wird. Hier gilt die Unschuldsvermutung.

Schlachthofschließungen in Deutschland

Die Situation in Perleberg ist kein Einzelfall. Vion plant die Schließung seines Schlachthofs in Emstek (Landkreis Cloppenburg) im ersten Quartal 2024, und auch andere Betriebe in Deutschland stehen vor dem Aus. Dazu gehören unter anderem ein Rinderschlachthof in Thüringen und ein Schweineverarbeitungsbetrieb in Brandenburg sowie der Schinkenspezialist Ahlener Fleischhandel in Nordrhein-Westfalen. Die Verkaufspläne der Schlachthöfe sind allerdings abhängig von kartellrechtlichen Genehmigungen. Vion begründet die Standortverkäufe mit starker Konkurrenz und dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland. In Niedersachsen plant die rot-grüne Landesregierung, mehr kleine dezentrale Schlachtereien zu fördern, um die Abhängigkeit von großen Fleischunternehmen zu verringern.

Rückläufige Schlachtzahlen und regionale Unterschiede

In Deutschland setzten sich 2023 die rückläufigen Schlachtzahlen fort. Insgesamt wurden ca. 43,9 Millionen Schweine geschlachtet, was einem Rückgang von 3,3 Millionen (–6,9 %) im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dabei gibt es große regionale Unterschiede: Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zusammen machen mehr als zwei Drittel aller Schweineschlachtungen in Deutschland aus. In Niedersachsen wurden 2023 ca. 13,4 Millionen Schweine geschlachtet, was einen Rückgang von 1,6 Millionen (–10,9 %) bedeutet. In Nordrhein-Westfalen hingegen stiegen die Schlachtungen auf 16,3 Millionen, was einen Anstieg von 230.000 (1,4 %) im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Bayern verzeichnete einen Rückgang auf 3,79 Millionen Schweine, während Sachsen-Anhalt einen auffälligen Rückgang auf 2,4 Millionen Schweine erlebte, was einem Rückgang von 1,1 Millionen (–31,0 %) entspricht.

Die Schließungen und die rückläufigen Schlachtzahlen stellen nicht nur eine Herausforderung für die Landwirte dar, sondern werfen auch Fragen zur Zukunft der Fleischindustrie in Deutschland auf. Die Bemühungen um regionale, dezentrale Schlachthöfe und mobile Schlachteinrichtungen könnten ein Schritt in die richtige Richtung sein, um die Branche zukunftssicherer zu machen.

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Für weiterführende Informationen zu den Entwicklungen rund um die Schlachthöfe in Deutschland lesen Sie bitte die vollständigen Artikel auf Top Agrar, Agrarheute und Wochenblatt DLV.