Der Landkreis Prignitz steckt mitten in der Rekommunalisierung seines öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Ab Mitte 2026 wird der Busbetrieb wieder in kommunaler Hand liegen. Die neue Verkehrsgesellschaft Prignitz (VGP) wird, basierend auf einem umfangreichen Beschluss des Kreistags vom 3. Juli 2025, einsatzbereit gemacht. [Maz-online] berichtet, dass der öffentliche Dienstleistungsauftrag direkt an die VGP vergeben wurde und damit die Grundlage für einen geregelten Linienverkehr geschaffen ist.
Ein bedeutender Schritt auf diesem Weg ist die Bestellung von 53 neuen Linienomnibusse der Low-Entry-Klasse 2 bei der Daimler Buses GmbH. Diese Busse sind mit einer Niederflurtechnik ausgestattet, die einen barrierezunehmenden Einstieg ermöglicht. Die ersten Fahrzeuge sollen bereits im März 2026 ausgeliefert werden. Die VGP hat sich zum Ziel gesetzt, etwa 60% der Verkehrsleistungen selbst zu erbringen, während 40% über Subunternehmer abgedeckt werden. Für eine reibungslose Durchführung sind rund 80 Busfahrer vorgesehen, die für ein hochwertiges Dienstleistungsangebot sorgen sollen.
Neustrukturierung des Busverkehrs
Der zukunftsorientierte Plan ist, den Linienbetrieb am 1. August 2026 aufzunehmen. Das bedeutet, dass bis zu diesem Datum eine komplett neue Infrastruktur aufgebaut werden muss. Der Bedarf an einer leistungsfähigen Busflotte ist groß, da jährlich etwa 3,7 Millionen Streckenkilometer zurückgelegt werden müssen. Die VGP plant, 40 Busse selbst in den Bestand aufzunehmen, wobei 30 Fahrzeuge neu sein sollen. Wochenspiegel informiert zudem, dass auch kleinere Midibusse unter neun Metern angeschafft werden sollen.
Die Entscheidung zur Rekommunalisierung reagiert auf die wachsende Kritik aus der Region, insbesondere in Bezug auf den Schülerverkehr sowie den Bedürfnissen von Vereinen und Senioren. Der Kreistag hatte bereits im Mai 2024 den Grundsatz der Rekommunalisierung besiegelt, nachdem die VGP zuvor in Liquidation war und erst 2023 wieder in Betrieb genommen wurde. Diese Neuausrichtung zeigt, wie wichtig eine lokale und bedarfsgerechte Organisation der Buslinien für die Bürger:innen der Prignitz ist.
Umweltfreundlicher Fuhrpark
Ein weiterer Aspekt, der bei der Planung der neuen Busflotte in den Vordergrund rückt, ist der umweltfreundliche Fuhrpark. Die neu anzuschaffenden Busse sollen mit HVO 100, einem nachhaltigen Kraftstoff, betrieben werden, um die Umweltbelastung zu minimieren. Langfristig ist zudem der Einsatz von Elektrofahrzeugen angedacht, insbesondere für Stadtlinien. So wird von Anfang an auf Nachhaltigkeit gesetzt.
Im Zuge der Vorbereitungen ist ein Kernteam „Start VGP“ seit 2024 in der Kreisverwaltung aktiv, um die Rekommunalisierung ordnungsgemäß durchzuführen. Auch das Gelände für den zentralen Betriebshof wurde bereits zum 1. Dezember 2025 in Weisen angemietet. Die Geschäftsführer-Position hat seit dem 1. Januar 2026 Tobias Heuer inne und sorgt sozusagen für frischen Wind in der neuen Verkehrsgesellschaft.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Rekommunalisierung des ÖPNV in der Prignitz nicht nur einen organisatorischen Neustart darstellt, sondern auch der Schlüssel zu einer bedarfsgerechten, umweltbewussten und für alle Bürger:innen zugänglichen Verkehrslösung ist. Die Weichen sind gestellt, nun heißt es, die Projekte erfolgreich umzusetzen.

