Im Landkreis Prignitz wurde ein archäologischer Fund gemacht, der die Geschichte der Waffenverwendung im Mittelalter in Brandenburg neu schreiben könnte. Die Entdeckung, bekannt als das „Kletzker Handrohr“, ist ein kunstvoll verziertes Fragment einer Handbüchse, das möglicherweise älter ist als die bisher älteste bekannte Handfeuerwaffe in Europa. Dieser bedeutende Fund wurde 2023 von Matthias Dasse, einem ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger, während einer Feldbegehung entdeckt.

Das circa sechs Zentimeter lange Stück wurde von Gordon Thalmann, dem Leiter der Denkmalbehörde, als vorderer Teil einer frühen Feuerwaffe identifiziert. Bisher galt die „Tannenbergbüchse“ im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, die auf das Jahr 1399 datiert ist, als die älteste sicher datierte Handfeuerwaffe Europas. Das Kletzker Handrohr könnte jedoch auf das Jahr 1390 datiert werden und wäre damit das früheste bekannte archäologische Zeugnis für tragbare Schwarzpulverwaffen in Deutschland.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Einzigartige historische Kontexte

Die Bedeutung des Fundes wird durch seinen historischen Kontext verstärkt. Er steht im Zusammenhang mit der Belagerung der Burg Kletzke im Jahr 1390, die von einer Streitmacht unter den Herzögen Heinrich I. von Braunschweig-Lüneburg und Erich IV. von Sachsen-Lauenburg gegen die Familie von Quitzow geführt wurde. Diese Familie hatte das Gut Kletzke 1375 von Kaiser Karl IV. erhalten. Historiker Clemens Bergstedt und Gordon Thalmann arbeiteten 2023 an der schriftlichen Überlieferung des Franziskanermönchs Detmar von Lübeck, der die Belagerung dokumentiert hat.

Der Fund wird als „spektakulär“ bezeichnet, da es bisher keine schriftlichen oder archäologischen Belege für den Einsatz von Feuerwaffen aus dieser Zeit in Brandenburg gibt. Um weitere Erkenntnisse zu gewinnen, sind archäologische Grabungen unter der Leitung von Thomas Schenk, zusammen mit den Jungen Archäologen Prignitz und der HTW Berlin, für die Jahre 2024 und 2025 geplant, um militärische Auseinandersetzungen zu bestätigen.

Archäologische Entdeckungen in Deutschland

Das Kletzker Handrohr reiht sich in eine Reihe bedeutender archäologischer Funde in Deutschland ein. Im Jahr 2024 wurden beispielsweise in der Mecklenburger Bucht Überreste einer 11.000 Jahre alten Steinmauer entdeckt, die von Jägern und Sammlern erbaut worden war. In Berlin-Mitte wurde ein mehrere Hundert Jahre altes japanisches Wakizashi-Kurzschwert gefunden, das vermutlich einem Flüchtling aus dem Zweiten Weltkrieg gehörte. Zudem kamen im März 2024 bei Ausgrabungen auf Deutschlands größtem Pestfriedhof die Umstände einer Pestwelle aus dem 17. Jahrhundert ans Licht, die über tausend Menschenleben forderte. In Baden-Württemberg entdeckte man eine mittelalterliche Spielesammlung, die Schachfiguren und Würfel umfasst.

Diese Funde zeigen, wie lebendig die archäologische Forschung in Deutschland ist und welche neuen Erkenntnisse sie über unsere Geschichte liefern kann. Das Kletzker Handrohr wird nicht nur die Waffenentwicklung in Brandenburg beleuchten, sondern auch zur Erlebbarmachung der brandenburgischen Landesgeschichte beitragen, was für die geplante archäologisch-touristische Erschließung des Standorts Kletzke von Bedeutung ist.

Für weitere Informationen zu diesen spannenden Entwicklungen in der Archäologie, können Sie die detaillierten Berichte auf Nordkurier und National Geographic nachlesen.