Schafe sind keine gewöhnlichen Tiere. Sie spielen eine entscheidende Rolle für die Landschaftspflege und den Umweltschutz, insbesondere im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg in der Prignitz. Maria Gemind, Umweltbildungsreferentin beim Naturschutzbund (Nabu), leitet dazu einen spannenden Workshop im Nabu-Besucherzentrum unter dem Motto „Vom Deichschutz zum Wollpullover“. Hier erfahren die Teilnehmer, wie wichtig diese Tiere nicht nur für den Deichschutz sind, sondern auch, wie die Wolle zu hochwertigen Textilien verarbeitet werden kann. Laut dem Nordkurier fallen jährlich zwischen drei und fünf Kilo Rohwolle pro Schaf an, die nicht nur als Dämmstoff, sondern auch zunehmend selbst verarbeitet wird.
In der Region gibt es mehr als 20 Schafrassen, darunter die Skudden und Merinoschafe. Bei dem ausgebuchten Workshop hatten die 15 Teilnehmer die Gelegenheit, selbst an Spinnrädern zu arbeiten und Tipps von erfahrenen Spinnerinnen aus Bad Wilsnack zu erhalten. Darunter auch Anke Zschach, die während der Corona-Zeit das Spinnen erlernte und nun monatliche Treffen in der Stadtbibliothek organisiert. Heike Michaelis, die aus Berlin angereist war, wollte mehr über Wolle und deren Verarbeitung erfahren. Auch Eveline Taberowski, die 41 Shropshire-Schafe züchtet, ist Teil dieser Bewegung und nutzt die Wolle für den eigenen Bedarf.
Die Wolle der Deichschafe: Ein Wertvolles Gut
Die Wolle von Deichschafen, die oftmals als kratzig galt und vorher wenig Beachtung fand, erlebt gerade eine Art Renaissance. Ute Luft, eine Unternehmerin aus dem Wendland, produziert nachhaltige Kleidung aus dieser Wolle und verfolgt damit das Ziel, die regionale Schäferei zu stärken. „Ich sortiere die kratzigen Teile aus, um hochwertige Produkte anbieten zu können“, berichtet Ute, die für ihre Vorhaben 60.000 Euro EU-Förderung erhalten hat. Somit kann sie ihre Produktion optimieren und gleichzeitig zur Stärkung der Deichschutz-Strategien beitragen, da die Schafe das Gras abfressen und die Wurzelstrukturen der Deiche festigen, so ZDF.
Die Wolle soll nicht nur im regionalen Rahmen wertgeschätzt werden; die EU hat zudem über 200 Milliarden Euro für Projekte zur Förderung von Nachhaltigkeit, Beschäftigung und Wachstum bereitgestellt. Dies könnte auch den heimischen Schafhaltern zugutekommen, die durch den Anstieg des Interesses an regionaler Wolle neue Wege zur Einkommensgenerierung finden.
Schutz und Pflege der Deiche
Doch die Bedeutung der Schafe geht über die Wolle hinaus. Sie sind auch ein wichtiger Bestandteil des Deichschutzes. Schafhalter wie Franz-Thorsten Franz, der 300 Mutterschafe auf seinen 40 Hektar Deichfläche im Rheiderland betreut, bestätigt das Engagement seiner Tiere. Ihre „goldenen Tritte“ stabilisieren die Grasnarbe und sichern so die Deiche, die den winterlichen Wassermassen trotzen müssen. Grundsätzlich sorgt Franz dafür, dass die Lämmer über die kalte Jahreszeit gut versorgt sind, was große Sorgfalt und regelmäßige Kontrollen erfordert.
Die Landwirte setzen damit nicht nur auf traditionelle Schafzucht, sondern sprechen auch die kontinuierliche Pflege der Deiche an. Immerhin haben 11.459 Schafhalter in Niedersachsen ihre Herden, eine Zahl, die sich als stabil herausstellt. Es bleibt zu hoffen, dass das Interesse an der Wolle und den Schafen auch weiterhin wächst und somit diese Art der Haltung unterstützt wird.
So zeigt sich einmal mehr: Wo Schafe grasen, da liegt nicht nur der Duft frischen Grases in der Luft, sondern auch ein Stück Natur- und Klimaschutz, wo jeder Beitrag zählt. Ob in der Wolle oder beim Deichschutz – die Schafe stehen im Mittelpunkt einer umso wertvolleren Zusammenarbeit zwischen Mensch und Natur.