Am 21. Februar wird der Internationale Tag der Muttersprache gefeiert, ein Anlass, der nicht nur die sprachliche Vielfalt, sondern auch die kulturelle Identität weltweit würdigt. In Deutschland ist die plattdeutsche Sprache ein bemerkenswertes Beispiel für solche kulturellen Schätze, die es zu bewahren gilt. Cordula Czubatynski, eine engagierte Erzieherin aus Bad Wilsnack, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Plattdeutsch als Kulturgut zu erhalten und lebendig zu halten. Diese Initiative ist besonders wichtig, da etwa die Hälfte aller weltweit gesprochenen Sprachen vom Aussterben bedroht ist, wie die UNESCO eindringlich betont.

Czubatynski wuchs mit Plattdeutsch auf, wurde jedoch in der DDR dazu angehalten, Hochdeutsch zu sprechen. Ihre Rückkehr zur plattdeutschen Sprache begann während ihrer Zusammenarbeit mit Frank Neuschulz, einem Biologen und Vogelkundler aus Gartow, der sich für den Naturschutz an der Elbe einsetzte. Neuschulz war von 1993 bis 2005 Leiter des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe-Brandenburg. Während ihrer gemeinsamen Projekte stellte Czubatynski fest, dass einige von Neuschulz‘ Vorhaben, wie die Deichrückverlegung, bei den Bauern auf Widerstand stießen. Um die Projekte besser zu kommunizieren, nutzte die Naturwacht die plattdeutsche Sprache bei kulturellen Anlässen.

Plattdeutsch im Alltag

Seit 2022 integriert Czubatynski Plattdeutsch in ihren Alltag als Erzieherin im Hort „Wirbelwind“ in Bad Wilsnack. Hier hat sie eine Plattdeutsch-AG ins Leben gerufen, in der 15 Kinder Geschichten lesen, Lieder singen und kleine Aufführungen gestalten. Die Materialien für die AG stammen vom Verein für Niederdeutsch Land Brandenburg, dessen Mitglied Czubatynski seit drei Jahren ist. Diese Förderung der Sprache ist besonders wichtig, da viele Minderheitensprachen, wie das Niedersorbische, nicht an die nächsten Generationen weitergegeben werden und in Vergessenheit geraten.

In der Umgebung von Bad Wilsnack gibt es zudem regelmäßige Treffen plattdeutscher Gruppen, wie in Ledge, wo sich jeden Donnerstag um 14.30 Uhr im Restaurant Gabis Schenke eine Gruppe trifft, und in Bälow, wo die plattdeutsche Runde am ersten Dienstag im Monat um 14 Uhr zusammenkommt. Diese Treffen sind nicht nur eine Möglichkeit, die Sprache zu praktizieren, sondern auch, um die kulturellen Traditionen zu pflegen und weiterzugeben.

Ein globales Anliegen

Der Internationale Tag der Muttersprache, der von der UNESCO ausgerufen wurde und seit 2000 jährlich begangen wird, hat das Ziel, sprachliche und kulturelle Vielfalt sowie Mehrsprachigkeit zu fördern. Die Proteste in Dhaka 1952, die zu diesem Gedenktag führten, erinnern uns daran, wie wichtig die Bewahrung von Sprachen ist, insbesondere von Minderheitensprachen, die oft weniger als 10.000 Sprecher haben. Plattdeutsch ist eine solche Sprache, die in mehreren Bundesländern gesprochen wird. Rund 2,5 Millionen Menschen in Norddeutschland sprechen Plattdeutsch, wobei 16% aktiv die Sprache nutzen und 77% sie verstehen.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Im Bundestag wird derzeit das 25-jährige Bestehen der Charta zu Regional- und Minderheitensprachen debattiert, die am 24. Juni 1992 beschlossen und seit 1998 in Kraft ist. Das Abkommen schützt und fördert Sprachen wie Plattdeutsch, Ober- und Niedersorbisch, Dänisch und andere. Trotz dieser Fortschritte bleibt die Herausforderung groß, die Sprachen im öffentlichen Leben, etwa durch Unterricht und Medienangebote, zu fördern. Lehrer und Politiker betonen die Notwendigkeit, mehr ausgebildete Lehrkräfte für den Unterricht in Minderheitensprachen bereitzustellen, um die kulturelle Vielfalt zu sichern.

Czubatynski hebt die Bedeutung der plattdeutschen Sprache als Kulturgut hervor und engagiert sich leidenschaftlich für deren Erhalt. Ihre Arbeit im Hort und die Organisation von plattdeutschen Treffen sind beispielhaft dafür, wie engagierte Menschen dazu beitragen können, eine Sprache und ihre Kultur am Leben zu erhalten. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in dem Artikel auf Nordkurier sowie auf der Wikipedia und dem Deutschlandfunk.