In Havelberg, einem Ort, der lange um eine medizinische Anlaufstelle kämpfen musste, gibt es jetzt endlich positive Neuigkeiten. Fünf Jahre nach der Schließung des örtlichen Krankenhauses hat ein neues Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) seine Türen geöffnet. Diese Eröffnung kam für viele Bürger wie ein Lichtblick in einer dunklen Zeit, in der die medizinische Versorgung stark eingeschränkt war. Das MVZ hat kürzlich seine erste Sprechstunde durchgeführt, in der ein Chirurg und Orthopäde namens Alwin Markus Bulla tätig ist, der für einen halben Tag pro Woche zur Verfügung steht. Bulla ist nicht nur Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie am Krankenhaus Seehausen, sondern auch als Notarzt aktiv.
Die Sprechstunde findet in den Räumlichkeiten des Jobcenters in der Langen Straße statt, wobei der Mietvertrag über zehn Jahre läuft. Aktuell hat das MVZ eine kassenärztliche Ermächtigung, die zunächst für sechs Monate gilt, mit der Aussicht auf Verlängerung. Der Bedarf an medizinischer Versorgung in der Region ist groß, zumal die letzte Allgemeinmedizinerin in Glöwen ihre Sprechstunden Ende 2023 eingestellt hat. Dies hat die Situation für die 1.200 Einwohner dort zusätzlich verschärft. Der Ortsbeirat und der Förderverein Glöwen haben bereits im September 2024 eine Initiative gestartet, um auf diese missliche Lage aufmerksam zu machen, und für viele wird der Weg zu Facharztterminen immer länger.
Herausforderungen und Möglichkeiten
Das MVZ Havelberg nimmt derzeit eine zentrale Rolle ein, da es als Ersatz für das 2020 geschlossene Krankenhaus fungieren soll. Während es für die Region ein großer Schritt in die richtige Richtung ist, gibt es trotzdem Enttäuschung über das bisherige, begrenzte Angebot. Aktuell wird nur eine ambulante Sprechstunde eines halben Tags pro Woche angeboten, und ein Röntgengerät steht noch nicht zur Verfügung. Anfragen für weitere Fachrichtungen wie Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Augenärzte und Kinderärzte werden laut dem Pro Krankenhaus Havelberg dringend laut. Salus-Geschäftsführer Jürgen Richter äußerte zudem Pessimismus hinsichtlich der Gewinnung weiterer Fachärzte für Havelberg.
Die Verantwortung für die Organisation dieser Sprechstunden liegt beim Vereine Pro Krankenhaus Havelberg, der bereits Gespräche mit den Bürgern sowie den Verantwortlichen geführt hat. Die ersten Sprechstunden sind jedoch nur der Anfang, und die Verantwortlichen des MVZ sind optimistisch, dass das Angebot schrittweise ausgebaut werden kann. Eine Überprüfung der Annahme der Sprechstunden steht noch aus, und es wird überlegt, eventuell einen weiteren halben Tag für Sprechstunden hinzuzufügen – vielleicht Dienstagvormittag oder Mittwochnachmittag.
Versorgung im ländlichen Raum
Die Situation in Havelberg ist nicht einzigartig. In vielen ländlichen Regionen ist die medizinische und pflegerische Versorgung ein zentraler Aspekt der Daseinsvorsorge. Es ist weitgehend bekannt, dass die Bevölkerung qualitativ hochwertige Gesundheitsdienstleistungen erwartet, unabhängig davon, ob sie in einer Stadt oder auf dem Land leben. In ländlichen Gebieten wie diesem haben viele Menschen jedoch mit langen Anfahrtswegen zu kämpfen, während spezialisierte Versorgungsangebote oft fehlen. Diese Problematik wird durch eine fallende Anzahl an Allgemeinmedizinern und Fachärzten verstärkt.
Ein Einblick in die Bedarfsplanung verdeutlicht, dass die ambulante Versorgung stark von Haus- und Fachärzten, ambulanten Pflegediensten und Apotheken abhängt. Besonders herausfordernd ist die Erreichbarkeit für geriatrische Patienten und Kinder, die oft eine höhere Krankheitslast haben. Innovative Modelle, wie Telemedizin und mobile Gesundheitsdienstleister, sind entscheidend für die Verbesserung der Situation. Im Fall von Havelberg ist klar: Die medizinische Versorgung wird trotz der Neugründung des MVZ nur durch ein gemeinsames Bestreben aller Beteiligten nachhaltig sichergestellt werden können.
Es bleibt zu hoffen, dass die ersten Schritte des MVZ Havelberg den Weg für ein besseres medizinisches Angebot ebnen und das Vertrauen der Bevölkerung wieder stärken können. Bleibt abzuwarten, wie sich die Initiativen weiter entwickeln werden und ob das MVZ in naher Zukunft mit weiteren Fachärzten und verbesserten Leistungen aufwarten kann.