In einer aufregenden Entwicklung für die Literaturwissenschaft haben die Universitäten Siegen und Marburg eine neue Forschungsstelle zum Werk von Hans Sachs (1494-1576) eingerichtet. Dieses ehrgeizige Projekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 2,6 Millionen Euro gefördert wird, zielt darauf ab, eine umfassende und kritische Neuedition von Sachs‘ Theaterwerk zu erstellen. Der Todestag von Hans Sachs jährte sich am 19. Januar 2023 zum 450. Mal, was den idealen Zeitpunkt für diese Initiative darstellt. Der Großteil seines Werkes, das über 6.200 Texte umfasst, darunter mehr als 200 Theaterstücke, ist bisher unerforscht geblieben.
Hans Sachs war nicht nur ein produktiver Dichter, sondern auch ein politischer Mensch, der die Reformation unterstützte. Sein tiefes Verständnis für Literatur, Theologie und Politik machte ihn zu einem zentralen Akteur der literarischen Szene des 16. Jahrhunderts in Europa. Die neue Forschungsstelle wird sich nicht nur auf die Theaterstücke konzentrieren, sondern auch Tragödien, Komödien, Fastnachtsspiele und Meisterlieder umfassen. Ziel ist es, die literarische Bedeutung von Hans Sachs ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und Impulse für Germanistik, Geschichte, Theologie und Wissensgeschichte zu geben.
Das Projekt im Detail
Das Projekt, das eine Laufzeit von sieben Jahren und sechs Monaten hat, wird in zwei koordinierten Arbeitsgruppen an den Standorten Siegen und Marburg realisiert. Die DFG-Fördersumme wird gleichmäßig auf beide Hochschulstandorte verteilt. Für die erste dreijährige Förderperiode erhält die Universität Siegen rund 670.000 Euro, wodurch zwei neue Stellen für wissenschaftliche Nachwuchskräfte geschaffen werden. Die Neuedition wird sowohl in gedruckter Form als auch digital veröffentlicht, was bedeutet, dass sie für ein breiteres Publikum zugänglich gemacht wird.
Ein zentraler Bestandteil der Neuedition sind die Kommentare, die Begriffserklärungen, Kontextualisierungen und zusätzliche Wissensbestandteile zu den Stücken bieten. Dies ermöglicht eine vertiefte Auseinandersetzung mit Sachs‘ Werk und eröffnet neue Perspektiven auf seine Dramatik, die durch sprachliche Prägnanz und dramatische Qualität besticht.
Eine unverzichtbare Grundlage für die Forschung
Die Edition wird nicht nur die Theaterstücke von Hans Sachs umfassen, sondern auch seine Meisterlieder und Spruchgedichte, die oft ähnliche Themen behandeln. Diese gleichzeitige Edition bietet Einblicke in den Entstehungsprozess und die dramaturgischen Qualitäten von Sachs und schafft eine zuverlässige Grundlage für die literatur-, kultur-, theater- und sprachwissenschaftliche Erforschung seiner Werke.
Die Forscherinnen hoffen, dass die Publikation der Neuedition dazu beiträgt, die Zugänglichkeit zu Sachs‘ komplexen Texten zu erleichtern, die bisher schwer zu verstehen waren. Die existierenden Ausgaben seiner Werke sind oft unzuverlässig und erschweren den Zugang zu den Texten. Durch die angestrebte Hybridedition in digitaler Form und als Print-Publikation wird ein neuer Standard für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit seinen Arbeiten gesetzt.
Ein Blick in die Zukunft
Die Forschung zu Hans Sachs hat das Potenzial, nicht nur die Dramentexte des 16. Jahrhunderts auf eine neue Basis zu stellen, sondern auch die Kultur-, Wissens- und Religionsgeschichte dieser Zeit in verschiedenen Disziplinen zu bereichern. Durch die intensivere Beschäftigung mit seinem Werk wird nicht nur der literarische Wert von Sachs gewürdigt, sondern auch sein Einfluss auf die Gesellschaft und die Kunst seiner Zeit neu beleuchtet. Der Start des Projekts ist für Anfang 2026 geplant, und die Wissenschaftlerinnen sind optimistisch, dass diese neue Forschungsstelle einen bedeutenden Beitrag zur deutschen Literaturgeschichte leisten wird.



