In Kremmen wird ein Kapitel zu Ende gehen: Am 5. Januar 2026 beendet die Familie Wieczorek nach 35 Jahren ihre Tätigkeit an der Shell-Tankstelle an der L170. Jaqueline Wieczorek packt derzeit noch die Weihnachtsdeko ein und bereitet sich auf den Ruhestand vor. „Es war eine lange Reise, und nun suchen wir uns neue Aufgaben“, so die 34-Jährige, die die Tankstelle gemeinsam mit ihrem Mann Jörg leitet. Karin, Jaquelines Mutter und Gründerin der Tankstelle, wird ebenfalls in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Die Tankstelle wurde 1991 am heutigen Standort eröffnet, nachdem die Familie zuvor eine kleinere Tankstelle am Markt betrieb. 2003 trat sie dann dem Shell-Netzwerk bei, wie maz-online.de berichtet.
Ein neuer Pachtvertrag für die nächsten 20 Jahre wurde den Wieczoreks angeboten, jedoch lehnten sie ab. Bereits am 6. Januar wird die Tankstelle von einer Firma aus Berlin übernommen. Die Öffnungszeiten bleiben zunächst unverändert, und drei Mitarbeiter der Wieczoreks treten weiterhin in Dienst. Jaquelines Tochter Stefanie und eine Kollegin suchen hingegen neue Jobs.
Eine bewegte Geschichte
Die Shell-Tankstelle hat in den letzten 35 Jahren ihre Geschichte geprägt. Jaqueline erinnert sich an Zeiten, in denen Benzin für Trabant und Wartburg verkauft wurde. „Es gab auch zwei Überfälle, einmal in den neunziger Jahren und das zweite Mal während des Erntefests im September 2006“, erzählt sie. Bemerkenswert ist, dass die Tankstelle über all die Jahre nur einmal wegen eines Kassenwechsels geschlossen wurde.
Tankstellen gehören in Deutschland seit den frühen 1900ern zu den wesentlichen Versorgungsstellen für Kraftfahrzeuge. Angefangen bei der ersten öffentlichen Tankstelle, die 1922 in Hannover eröffnet wurde, bis hin zu modernen Dienstleistungszentren, die auch Supermärkte beinhalten, hat sich viel verändert. Heute finden Kunden an Zapfsäulen eine breite Palette von Kraftstoffen, darunter Benzin, Diesel und erneuerbare Energiequellen wie Wasserstoff und Elektroladestationen, wie auch von Wikipedia dargelegt wird.
Klar ist, dass die Tankstelle nicht nur einen praktischen Zweck erfüllt, sondern auch ein sozialer Treffpunkt ist. Während die Branche vor Herausforderungen steht, etwa durch den EU-Beschluss zum Verbot von Verbrennungsmotoren, sieht der Tankstellen-Interessenverband TIV die Institution jedoch nicht in Gefahr. „Die Tankstellen werden sich anpassen müssen, doch sie sind fest in der Gesellschaft verankert“, betont ein Vertreter des Verbands.
Mit dem bevorstehenden Wechsel an der Shell-Tankstelle in Kremmen geht dieser traditionsreiche Standort in neue Hände. Ob die neue Betreiberin die Erfolgsgeschichte der Wieczoreks fortsetzen kann, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass die Tankstelle weiterhin ein zentraler Bestandteil der Gemeinschaft bleiben wird.