Am Sonntag, den 15. Februar 2026, wurde in Kremmen ein besonderer Anblick gesichtet: Der erste Storch landete in der Altstadt und nahm seinen Platz im Horst an der Dammstraße ein. Die Fotografin Gudrun Wilke-Höhn hielt diesen Moment von der Berliner Straße aus fest. Laut Roland Heigel, dem Storchenbeauftragten für den Süden von Oberhavel, entspricht die Ankunft des Storches im Februar dem gewohnten Zeitplan. Der Rekord aus dem Jahr 2025, als ein Storch bereits am 30. Januar eintraf, bleibt jedoch unübertroffen.

Die Ankunftszeiten der letzten Jahre in Kremmen geben einen spannenden Einblick in das Verhalten dieser Zugvögel. So landete im Jahr 2024 der Storch am Valentinstag, während er in den Jahren zuvor unterschiedliche Daten wählte: 2023 am 17. Februar, 2022 am 10. Februar und 2021 am 20. Februar. In 2020 war der Storch am 16. Februar zu sehen, und 2019 erst am 24. Februar. Am Montag nach der Ankunft lagen die Temperaturen bei minus 3 Grad, und es schneite sporadisch. Heigel erklärt, dass Störche mit kaltem Wetter gut zurechtkommen, solange sie eine Nahrungsquelle finden. Dazu zählen Gräben mit kleinen Fischen oder Wasserinsekten.

Ein Blick in die Storchenfamilie

Die Entwicklung der Storchenpopulation in Kremmen ist bemerkenswert. Im Jahr 2024 konnten zahlreiche Eier und Küken beobachtet werden. Am 8. April 2024 legte ein Storchenpaar im Nest an der Feuerwehr das erste Ei, gefolgt von weiteren Eiern bis zu insgesamt fünf am 15. April. Die ersten beiden Küken schlüpften am 14. Mai, und am 11. Juni 2024 waren die Jungstörche bereits so selbstständig, dass sie allein im Nest blieben, während die Altstörche auf Futtersuche waren. Ein weiteres Storchenpaar hat sich an der Kita eingefunden, wo ebenfalls Eier gelegt wurden, die in derselben Zeitspanne geschlüpft sind.

Die Anzahl der Störche in Kremmen nimmt zu, während in anderen Storchendörfern wie Linum und Rühstädt die Populationen zurückgehen. Dies könnte darauf hindeuten, dass Kremmen sich zu einer Storchenstadt entwickelt und attraktive Lebensbedingungen bietet.

Herausforderungen für die Störche

Doch die Zukunft der Störche ist nicht ohne Herausforderungen. Als Zugvögel sind Weißstörche auf ihrer Reise durch verschiedene Länder und Kontinente vielen Gefahren ausgesetzt. Menschliche Einflüsse, wie ungesicherte Stromleitungen, illegaler Abschuss und das Schwinden von Lebensräumen, stellen eine zunehmende Bedrohung dar. Der Klimawandel beeinflusst zudem die Nahrungsverfügbarkeit, was für die Störche problematisch sein kann.

Im Rahmen des Projekts „Störche auf Reisen“ hat der NABU begonnen, mehr über die Flugrouten der Weißstörche zu erfahren. Seit 2009 wurden über 15 Störche mit Solarsendern ausgestattet, die GPS-Koordinaten sammeln und alle drei Tage an Satelliten senden. Diese Technologie ermöglicht es, die Störche in Echtzeit zu verfolgen und neue Rastplätze sowie Gefahrenzonen zu entdecken. Die gesammelten Daten fließen in einen großen Datenpool, der auch anderen Wissenschaftlern zur Verfügung steht, um den Einfluss des Klimas auf den Storchenzug zu untersuchen.

Die Ankunft des ersten Storches in Kremmen ist somit nicht nur ein fröhliches Ereignis für die Anwohner, sondern auch ein wichtiger Indikator für die Entwicklung der Storchenpopulation und die Herausforderungen, denen sie gegenüberstehen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in den kommenden Jahren entwickeln wird.

Für weitere Informationen über die Entwicklung der Störche in Kremmen und deren Lebensgewohnheiten besuchen Sie bitte die Maz-Online und die offizielle Website von Kremmen. Mehr über die Herausforderungen der Störche erfahren Sie auf der Seite des NABU.