Am 11. März 2026 steht eine wichtige Aktion im Waldgebiet zwischen Borgsdorf und Oranienburg an: Die Sprengung von Kriegsmunition. Diese Maßnahme ist Teil einer umfassenden Untersuchung des Gebiets, in dem bereits am 17. und 25. Februar Sprengungen ohne besondere Vorkommnisse stattfanden. Diese dritte Sprengung wird von 8 bis 16 Uhr durchgeführt und betrifft einen Sperrkreis mit einem Radius von 1.000 Metern, der die Siedlungen Borgsdorf, Havelhausen, Lehnitz und Oranienburg umfasst. Alle betroffenen Haushalte sind aufgefordert, den Sperrkreis bis spätestens 8 Uhr zu verlassen, um die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten. Eine Übersicht der betroffenen Haushalte wird als PDF bereitgestellt, und zusätzlich erhalten die Haushalte ein gesondertes Schreiben von der Stadt Hohen Neuendorf.
Ab 8 Uhr werden Kontrollen durch die Polizei und die Stadtverwaltung Hohen Neuendorf durchgeführt. Es ist entscheidend, dass die Anweisungen von Polizei, Feuerwehr und Stadtverwaltung während der Evakuierung befolgt werden. Die Rückkehr in das Evakuierungsgebiet ist erst nach dem Sirenensignal und der Aufhebung des Sperrkreises möglich. Die Maßnahme soll voraussichtlich um 16 Uhr beendet sein, aber Verzögerungen sind nicht auszuschließen. Für betroffene Anwohner wird in der Stadthalle Hohen Neuendorf (Am Rathaus 1, 16540 Hohen Neuendorf) eine Anlaufstelle eingerichtet, wo Sitzmöglichkeiten und sanitäre Anlagen zur Verfügung stehen. Haustiere dürfen jedoch nicht mitgebracht werden.
Wichtige Informationen für Betroffene
Ab dem 4. März 2026, 9 Uhr, steht ein Infotelefon für Betroffene unter der Rufnummer 03303 528-400 zur Verfügung. Dieses ist zu bestimmten Zeiten erreichbar: Montag von 9 bis 15 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 9 bis 17 Uhr, Mittwoch von 9 bis 15 Uhr und Freitag von 8 bis 12 Uhr. Die Stadt Hohen Neuendorf bittet alle Betroffenen, sich vorrangig über die städtische Internetseite www.hohen-neuendorf.de zu informieren.
Die Sprengung selbst ist Teil einer systematischen Untersuchung des Waldgebiets, in dem insgesamt 32 Hektar auf Kriegsmunition kontrolliert werden müssen. Bisher sind lediglich 4 Hektar abgeschlossen. Diese Kontrollen sind wichtig, um die Gefahren durch alte Munition zu minimieren und die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten. Die Straßen, der Oder-Havel-Kanal und die Bahntrasse im Sperrkreis werden während der Evakuierung gesperrt. Umfahrungen sind über Lehnitz-Summt-A10 und Birkenallee/B96 möglich.
Einblick in die Problematik der Kriegsmunition
Die Problematik mit Kriegsmunition ist nicht nur auf das Waldgebiet bei Borgsdorf beschränkt. In den deutschen Meeren liegen geschätzte 1,6 Millionen Tonnen Altmunition, die größtenteils nach den beiden Weltkriegen von den Alliierten entsorgt wurden. Salzwasser verursacht Korrosion der Munition, was zur Freisetzung von Giftstoffen wie TNT, Quecksilber, Arsen und Blei führt. In Miesmuscheln aus Munitionsversenkungsgebieten wurden bereits bedenkliche Konzentrationen von TNT nachgewiesen. Diese Gefahren sind besonders kritisch in der Ostsee, wo viele Versenkungsgebiete nahe der Küste liegen. Die Politik hat auf diese Herausforderung mit einem Forschungsprogramm in Höhe von 100 Millionen Euro reagiert, um Bergungstechniken zu entwickeln.
Sprengungen der Munition sind jedoch nicht die perfekte Lösung, da sie die kontaminierten Areale vergrößern und die Meeresfauna gefährden können. Erste Tests zur gezielten Bergung laufen bereits, und es gibt optimistische Stimmen, dass die deutschen Ostsee-Gewässer bis Ende 2040 weitgehend munitionsfrei werden können, sofern die Politik weiterhin an diesem Thema dranbleibt und die nötigen Mittel bereitstellt. Die Situation in Borgsdorf und Oranienburg zeigt, wie wichtig es ist, diese Altlasten ernst zu nehmen und aktiv gegen die Gefahren vorzugehen.