Am 16. Januar 2026 erhalten die Bürgerinnen und Bürger von Hohen Neuendorf die neuen Bescheide zur Grundsteuer B. Ein wichtiger Schritt, der nicht nur Informationen über die Steuerlast bringt, sondern auch einen tiefen Blick in die Haushaltslage der Stadt eröffnet. Wie die Stadtverwaltung berichtet, hat die Stadtverordnetenversammlung (SVV) im November 2025 den Hebesatz der Grundsteuer B entscheidend erhöht.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass der Hebesatz von 200 auf 300 Prozent angehoben wurde, um ein über sechs Millionen Euro umfassendes Defizit auszugleichen. Dabei ist der Hebesatz der Grundsteuer eine zentrale Größe zur Berechnung der Steuerschuld und wird in der sogenannten „Hebesatzsatzung“ festgehalten. Im Fall von Hohen Neuendorf war die Erhöhung – beschlossen am 20. November 2025 – notwendig, nachdem die Stadt im Vorfeld mit einem Hebesatz von 200 Prozent deutlich unter dem landesweiten Durchschnitt von etwa 415 Prozent lag.
Ursachen und Hintergründe des Defizits
Das angehäufte Defizit von über drei Millionen Euro wurde durch sinkende Zuweisungen vom Land und die bevorstehende Grundsteuerreform ab 2027 verursacht. Die Stadt hatte in ihrer Haushaltsdiskussion für 2026 auf die Wichtigkeit der Grundsteuereinnahmen hingewiesen, insbesondere um geplante Investitionen in kommunale Infrastruktur und Bildung zu sichern. Zudem fließen die Einnahmen auch in den ÖPNV, was für die Alltagsmobilität der Bürger von großer Bedeutung ist.
Eine Rückkehr zum früheren Hebesatz von 400 Prozent wäre zwar naheliegend gewesen, stattdessen setzte man auf Einsparungen in Bereichen wie Veranstaltungen und Straßenunterhalt, um den erforderlichen Haushaltsausgleich zu erreichen.
Grundsteuerreform von 2025
Die neue Grundsteuer B tritt ab 2025 mit einer grundlegenden Änderungen in Kraft. Die Berechnung erfolgt nun nach der Formel: Grundsteuer B = Grundsteuerwert × Steuermesszahl × Hebesatz. Dabei ersetzt der Grundsteuerwert die früheren Einheitswerte, was viele Eigentümer und Vermieter vor neue Herausforderungen stellt. Obendrein wird die Grundsteuer nicht mehr direkt nach Quadratmetrern berechnet, sondern ist weitreichend an individuelle Werte gebunden.
Die Reform soll aufkommensneutral sein, was bedeutet, dass die individuelle Steuerlast je nach Situation steigen oder sinken kann. Für die Grundsteuererklärung 2023 sind Unterlagen wie Grundbuchauszüge und Informationen zur Wohnfläche erforderlich. Wie verschieden die Hebesätze dabei in den deutschen Städten ausfallen, zeigt sich eindrucksvoll: Während Hohen Neuendorf mit 300 Prozent unterwegs ist, liegt beispielsweise der Hebesatz in Berlin bei stolzen 810 Prozent.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Am 10. Dezember 2025 lehnte der Bundesfinanzhof (BFH) in München zahlreiche Klagen zur Grundsteuer ab, die die Verfassungsmäßigkeit des neuen Systems in Frage stellten. Kritiker bemängelten insbesondere die Verwendung von pauschalen Bodenrichtwerten und Nettokaltmieten. Der BFH entschied jedoch, dass die Finanzämter diese Durchschnittswerte verwenden dürfen, was auch Auswirkungen auf die Eigentümer in Hohen Neuendorf hat, da diese Stadt das „Bundesmodell“ nutzt.
Wie die Situation sich weiter entwickelt, bleibt abzuwarten, insbesondere angesichts der Möglichkeit, dass betroffene Kläger ihre Anliegen bis zum Bundesverfassungsgericht eskalieren lassen könnten. Klar ist jedoch: Die neuen Grundsteuerbescheide werden viele Hohen Neuendorfer beschäftigen und sind ein zentrales Thema in der anstehenden Haushaltsdiskussion.