Das Hennigsdorfer Elektrostahlwerk hat sich einen bedeutenden Schritt in der Verantwortung für die Umwelt gesichert. Künftig wird das Unternehmen selbst die Kontrollen des Grundwassers rund um seinen Standort im Landkreis Oberhavel übernehmen. Am Donnerstag wurden Verträge zwischen dem Unternehmen, dem Landkreis und dem Land Brandenburg unterzeichnet. Diese neue Regelung ist besonders wichtig, da das Stahlwerk in einem Wasserschutzgebiet liegt, das etwa 600.000 Menschen in Oberhavel und Berlin mit Trinkwasser versorgt. Ziel dieser Vereinbarung ist es, Investitionen für das Unternehmen zu erleichtern, was angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen in der Stahlindustrie von großer Bedeutung ist. Die Verhandlungen hierzu haben über 20 Jahre gedauert und mündeten in einen 120 Seiten starken Vertrag.
Eine zentrale Neuerung dieser Vereinbarung ist die Verpflichtung des Unternehmens, Abwehrbrunnen zu installieren. Diese Brunnen sind notwendig, um im Havariefall verunreinigtes Grundwasser in eine Reinigungsanlage zu befördern. Geschäftsführerin Katja Rex erklärte, dass das Werk aus der klassischen Trinkwasserschutzzonenregelung herausgenommen wird und stattdessen eine neue Verordnung erhält. Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass die Grundwasserqualität auch in Zukunft gesichert ist und keine Gefährdung für die Trinkwasserversorgung entsteht. Doch trotz dieser positiven Entwicklung plant die Muttergesellschaft, der RIVA-Konzern, momentan keine Großinvestitionen oder Erweiterungen des Stahlwerks, da die Rahmenbedingungen aufgrund hoher Kosten nicht gegeben sind.
Geschichte des Hennigsdorfer Elektrostahlwerks
Das Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf hat eine lange und bewegte Geschichte. Der Bau des Elektrostahl- und Walzwerks begann am 18. April 1917, und der erste Stahlabstich erfolgte bereits am 20. Juli 1918. Seit 1992 wird das Werk von der H.E.S. Hennigsdorfer Elektrostahlwerke GmbH betrieben, die Teil des Riva-Konzerns ist. Im Laufe seiner Geschichte hat sich das Werk stetig weiterentwickelt und um verschiedene Betriebe erweitert, darunter das Siemens-Martin-Werk und eine Stahlformgießerei.
Besonders in der DDR-Zeit wurde das Werk kontinuierlich ausgebaut. Nach der Wende 1990 kam es zu einigen Konflikten, darunter eine Besetzung durch Stahlwerker im Jahr 1991. Dennoch wurde das Werk 1992 privatisiert und erlebte durch Investitionen von Riva eine Modernisierung, die die Produktion erheblich steigerte. Im Jahr 2007 beispielsweise wurden über 937.000 Tonnen Elektrostahl und 767.000 Tonnen im Walzwerk produziert.
Die aktuelle Situation und Ausblick
Heute, am 14. Februar 2026, ist die Unterzeichnung der Verträge ein wichtiger Meilenstein für das Elektrostahlwerk und die Region. Die Neuausweisung des Wasserschutzgebietes Stolpe steht in direktem Zusammenhang mit einem vereinbarten Sicherungssystem, das den Bau von Abwehrbrunnen und ein Grundwassermonitoring umfasst. Dieses System soll verhindern, dass das Trinkwasser für die rund 600.000 Menschen in der Region kontaminiert wird. Die Kosten für das Sicherungssystem trägt H.E.S., ohne dass öffentliche Förderung vorgesehen ist.
Die Verhandlungen, die über zwei Jahrzehnte dauerten, zeigen die Komplexität und die Herausforderung, Schutzinteressen und Unternehmensinteressen in Einklang zu bringen. Umweltministerin Hanka Mittelstädt sowie Landrat Alexander Tönnies und H.E.S.-Geschäftsführer betonten die Bedeutung dieser Einigung für den Industriestandort Hennigsdorf. Die Riva-Gruppe plant zudem, in moderne und nachhaltige Stahlproduktion zu investieren, was die Zukunft des Standorts weiter sichern könnte. Die Neuausweisung des Wasserschutzgebietes Stolpe soll voraussichtlich 2027 rechtskräftig werden.
Für weitere Informationen zu diesem Thema können Sie die vollständigen Artikel auf der Berliner Zeitung und Wikipedia nachlesen.